Folge 18: Suizidprävention im Gesundheitswesen

Shownotes

Etwa alle 50 bis 60 Minuten stirbt in Deutschland ein Mensch durch Suizid. Trotzdem ist das Thema noch immer tabuisiert – auch im Gesundheitswesen. Viele Fachkräfte fühlen sich im Umgang mit suizidalen Menschen unsicher, nicht zuletzt, weil entsprechende Inhalte in Ausbildung und Studium oft zu kurz kommen.

In dieser Folge sprechen wir mit der Psychologin Pamina Daus über reale Situationen aus dem Berufsalltag: Wie lässt sich Suizidalität ansprechen? Was hilft im Akutfall? Und welche Schritte sind wichtig, um Betroffene sicher zu begleiten?

Außerdem geht es um evidenzbasierte Fortbildungsansätze und um die neue Online-Fortbildung „suiLearning“, die Fachkräfte im Gesundheitswesen praxisnah, niedrigschwellig und alltagsnah auf den Umgang mit suizidalen Krisen vorbereiten soll.

Weitere Infos:

suiLearning: NaSPro

Bundesministerium für Gesundheit: SuiLearning

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00:00:04: Der Podcast für medizinische Technologinnen und Technologen.

00:00:12: Herzlich willkommen zur nächsten Folge von MT im Dialog Stimmen aus der Praxis!

00:00:17: Ich bin Stefanie Hanke, Online-Redakteurin beim Deutschen Ärzteverlag.

00:00:21: – heute sprechen wir über ein trauriges Thema.

00:00:24: Denn etwa alle fünfzig bis sechzig Minuten stirbt in Deutschland einen Mensch durch Suizid.

00:00:30: Trotzdem ist das Thema immer noch tabuisiert, auch im Gesundheitswesen.

00:00:35: Viele Fachkräfte fühlen sich im Umgang mit suizidalen Menschen unsicher – nicht zuletzt weil entsprechende Inhalte in Ausbildung und Studium oft zu kurz kommen!

00:00:45: In dieser Folge berichtet die Psychologin Pamina Dawes über reale Situationen aus dem Berufsalltag.

00:00:51: Wie lässt sich Suizidalität ansprechen?

00:00:54: Was hilft im Akutfall und welche Schritte sind wichtig um Betroffene

00:00:57: sicherzubegleiten?!

00:00:59: Außerdem geht es um evidenzbasierte Fortbildungsansätze und die neue Online-Fortbildung Sui Learning.

00:01:06: Die Fachkräfte im Gesundheitswesen praxisnah, niederschwellig und alltagsnah auf den Umgang mit suizidalen Krisen vorbereiten soll.

00:01:19: Hallo Frau Daus, schön dass Sie heute bei uns sind in unserem Podcast MT im Dialog Stimmen aus der Praxis.

00:01:25: Wir machen es immer so das unsere Gäste sich zuerst mal selber vorstellen.

00:01:31: also wer sind sie was ist ihre Profession und warum ist das Thema über das wir heute sprechen Suizidpräventionen im Gesundheitswesen ihr?

00:01:40: Ja hallo.

00:01:40: erstmal vielen Dank dass ich heute dabei sein darf.

00:01:43: Ich bin Psychologin mit Master in Klinik, ich habe Psychologie und Psychotherapie.

00:01:48: Und bin aktuell wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Kassel am Institut für Sozialwesen.

00:01:55: Suizidprävention ist mein Thema aus zwei Gründen.

00:02:00: Einerseits ist mein Interesse daran im Laufe des Studiums entstanden.

00:02:05: es gab zwar relativ wenige Seminare aber es war doch mal Teil von Seminaren, es gab mal Übungen dazu und Räubenspiele.

00:02:13: Die haben mich immer sehr interessiert!

00:02:15: Und auf der anderen Seite arbeite ich auch gerade in dem Feld.

00:02:18: Also, ich arbeite mit dem nationalen Suizidpräventionsprogramm zusammen.

00:02:23: Bin da in der Koordination von Suizidepräventionsexperten zuständig, arbeite auch im Projekt Sui Learning wo wir an der Entwicklung eines E-Learning-Programms zur Suizidenprävenzion im Gesundheitswesen arbeiten das für alle Fachkräfte zugänglich gemacht werden soll.

00:02:39: und Genau seit mir die Lücke zwischen den Studieninhalten und der tatsächlichen Relevanz aufgefallen ist, hat mich das doch sehr motiviert, mich intensiver mit dem Thema zu beschäftigen.

00:02:51: Da sind wir direkt schon beim nächsten Thema!

00:02:53: Wie groß ist denn die Tragweite?

00:02:55: Also wie viele Suizide gibt es in Deutschland, dass man sich mal so die Dimension vorstellen

00:03:01: kann?

00:03:01: Ja also jährlich gibts in Deutschland etwa Zehntausend Suizides.

00:03:06: Das sind hunderttausend in zehn Jahren, das muss man sich mal vorstellen.

00:03:10: Und gerade im Gesundheitswesen ist das ein ziemlich belastendes Thema und da sind gerade Aus- und Fortbildungen wichtig.

00:03:19: Da gibt es relativ wenig von... Die Belastung ist relativ groß und gerade Fachkräfte des Gesundheitswesens betrifft das Thema auf drei Ebenen.

00:03:28: Einmal arbeiten die mit solizidalen Patientinnen kann es passieren, dass KollegInnen suizidal werden oder von Suizidialität betroffen sind.

00:03:39: Oder es kann auch eine eigene Betroffenheit geben.

00:03:42: Also nur weil man im Gesundheitssystem arbeitet ist man noch nicht davor geschützt selbst krank zu werden, ob körperlich oder psychisch und es kann ein privaten Umfeld passieren.

00:03:51: Und als dritten Punkt hat man auch als Mitarbeitende im Gesundheitswesen einen erleichterten Zugang zum Medikamenten oder anderen die durchaus auch als Suizidmittel verwendet werden können.

00:04:07: Sie wissen bestimmt, wie das bei medizinischen TechnologInnen ist aber ich weiß z.B.

00:04:12: bestimmte Berufsgruppen wie Anästhesistin zum Beispiel haben ein besonders hohes Suizide-Resiko und es ist belegt dass der Zugang zu Suizitmitteln mit einem erhöhten Suizidesiko einhergeht.

00:04:23: Und nochmal zu den Zahlen Zehntausend Suiziden in Deutschland jährlich.

00:04:29: Wie kann man sich die Tragweite vorstellen?

00:04:31: Wenn mal das vergleicht, es gibt ungefähr zwei tausend siebenhundert tödliche Verkehrsunfälle.

00:04:37: Es gibt ungefähr dreihundert Tötungsdelikte im Jahr und da sind einfach ganz andere Zahlen und diese sind jedoch viel präsenter einmal täglichen Leben.

00:04:46: Und man kann es sich auch wenn man's ganz bildlich möchte vorstellen dass alle fünfzig bis sechszig Minuten in Deutschland ein Mensch durch Suizid stirbt ist das Thema ziemlich tabuisiert, es ist quantitativ betrachtet ein relativ großes vermeidbares Gesundheitsproblem und dennoch wird sehr wenig darüber besprochen.

00:05:07: Es gibt relativ wenig Fortbildungsangebote und das vor allem für alle Fachkräfte des

00:05:12: Gesundheitswesens.".

00:05:13: Danke schön schon mal für die Einordnung.

00:05:16: Ich wusste es tatsächlich auch nicht, dass es so viele Menschen gibt, die sich jedes Jahr das Leben nehmen.

00:05:22: Das ist wirklich tragisch.

00:05:23: und wenn Sie sagen Aufklärung und Enttabuisierung da sorgen wir vielleicht ein bisschen dafür, dass wir heute darüber sprechen.

00:05:30: kann man denn sagen wer besonders gefährdet ist?

00:05:33: Ja da fragen sie mich was Gefährdung ist?

00:05:37: immer ein statistischer Wert.

00:05:38: also Man kann sagen, Personen die bestimmte Merkmale erfüllen sind suizidgefährdeter als andere.

00:05:45: Es sagt uns aber nicht wer genau gefährdet ist beziehungsweise wen es treffen wird.

00:05:50: Aber man kann zum Beispiel sagen es gibt ja viele Risikofaktoren.

00:05:54: Besonders gefährdet sind Personen wie ich schon gesagt habe mit Zugang zu Suizidmitteln Die vielleicht auch bereits einen Suiziedversuch hinter sich haben Personen die besonders hoffnungslos sind psychisch erkrankte.

00:06:06: also da gibts relativ viele Faktoren und auch hier kursiert der Mythos wer Suizid begehen wird, spricht nicht darüber.

00:06:15: Natürlich gibt es diese Personen auch aber das ist nicht die Regel.

00:06:18: wenn jemand darüber spricht sich das Leben zu nehmen oder Pläne schmiedet sich das leben zu nehmen dann ist das auch ein Wahnsignal dass wartet werden sollte.

00:06:28: Jetzt sprechen wir ja über medizinische Technologinnen und Technologen oder ganz generell Menschen die im Gesundheitswesen arbeiten.

00:06:35: Was für Herausforderungen gibt es denn da im beruflichen Kontext, also gerade wenn's um den Umgang mit suizidalen Menschen und ihren Angehörigen geht?

00:06:44: Also Suizidität ist ein sehr emotionales Thema

00:06:48: von

00:06:48: hoher emotionaler Intensität.

00:06:51: Man begegnet Menschen in extremen Krisen, in psychischen Notlagen.

00:06:55: Da spielen Verzweiflungen Hoffnungslosigkeit aber auch Misstrauen und Wut häufig eine Rolle.

00:07:03: dann ist da auch eine große Herausforderung, die Unsicherheit von Seiten der Fachkräfte.

00:07:08: Man hat Angst etwas Falsches zu sagen und die Situation zu verschlimmern.

00:07:12: Da kursiert auch wieder Mythos.

00:07:14: Ansprechen verschlimmert Sozialität.

00:07:16: wenn ich eine Person darauf anspreche ob sie pläne schmiedet sich etwas anzutun Wird das dafür sorgen, dass sie es recht tut?

00:07:25: Aber nein, die ist gar nicht so.

00:07:26: Die Evidenz zeigt, dass Ansprechen bei Verdacht auf Suizidität kann, Suizide verhindern und Leben retten.

00:07:34: Und ja ... Man kriegt bei dem Thema auch schnell Angst, die Verantwortung für das Leben der betroffenen Person zu übernehmen, wenn man sie anspricht.

00:07:44: Wenn man merkt, da ist Suizidalität im Spiel, die Person hat Suizidedanken Und da kommen sehr schnell Schuldgefühle auf, Verantwortungsgefühlen.

00:07:52: Das ist ganz normal und dann ist es auch wichtig nicht aus dem Kontakt zu gehen sondern daran zu bleiben sich Zeit zu nehmen.

00:08:00: Eine weitere Herausforderung ist auch – ich kann mir vorstellen dass das gerade für den Beruf der medizinischen Technologin gilt – dass Suizidalität den beruflichen Alltag stört!

00:08:12: Also, das ist ein Bruch.

00:08:13: Man kommt mit einer bestimmten Aufgabe und hat vielleicht auch noch Zeitdruck, hat nun ganz kurzen PatientInnen Kontakt.

00:08:20: Und dann merkt man ... Oh!

00:08:24: Der Person geht es gerade richtig schlecht und muss sich dafür plötzlich Zeit nehmen.

00:08:28: Auch da ist es sehr wichtig, sich diese Zeit zu nehmen.

00:08:31: Aber ja, es ist einen Bruch im Arbeitsalltag.

00:08:34: Wie ist es mit Angehörigen?

00:08:36: Den begegnet man ja vielleicht auch.

00:08:38: Oder zum Beispiel, wenn jemand schon Suizid begangen hat und man spricht dann mit den Hinterbliebenen?

00:08:44: Wie geht man damit um?

00:08:46: Das ist ein sehr schwieriges Thema.

00:08:48: Und da entstehen oft Schuldgefühle oder die Verantwortung für die Gefühle der Angehörigen.

00:08:55: Weil ja, sie leben gerade eine absolute extreme Notsituation.

00:09:01: Und dem geht es furchtbar schlecht muss man erstmal empathisch reagieren, klar.

00:09:07: Und gleichzeitig muss man sich auch darüber im Klaren sein, dass man eben... Dass man in diese Situation leider nicht wegnehmen kann.

00:09:15: Also, man kann die Situation nicht wieder gut machen Das ist gar nicht die eigene Verantwortung.

00:09:19: Da gilt es dann wirklich freundlich zu sein Empathisch zu sein und für die Person da zu sein.

00:09:25: Jetzt arbeiten medizinische Technologinnen und Technologen ja in einem multiprofessionellen Team, also auch mit Menschen die andere Aufgaben übernehmen im Gesundheitswesen.

00:09:36: Hilft das?

00:09:37: Also ist das vorteilhaft wenn man Menschen hat die unterschiedliche Aufgabenfähigkeiten vielleicht auch haben für die Suizidprävention?

00:09:45: Auf jeden Fall!

00:09:46: Gerade da ist es ganz sehr wichtig für Antwortlichkeiten zu klären denn gerade im Beruf zum Beispiel der medizinischen Technologin hat man ja auch wenig Zeit mit Patientinnen.

00:09:57: Und wenn man in einem multiprofessionellen Team arbeitet und da die Verantwortlichkeiten klärt, das Thema auch irgendwie formalisiert – und wenn man dann merkt eine Person zeigt solch zidale Tendenzen, solch Zidale Merkmale, kann man ganz genau festlegen okay?

00:10:15: Mit diesem Wissen dass ich in diesem kurzen Kontakt mit den betreffenden Patienten gesammelt habe, kann ich mich an diese Person wenden.

00:10:24: Es kann im Team besprochen werden und dann übernimmt die Person, die dafür zuständig ist oder für ausgebildet ist, die Verantwortung

00:10:33: dafür.".

00:10:34: Sie haben gerade schon über Anzeichen gesprochen – wie erkennt man es denn?

00:10:38: Also was sind Wahnsignale, das Patientinnen- oder Patientensuizidgedanken

00:10:42: haben?".

00:10:42: Da gibt es ganz verschiedene!

00:10:45: Einmal sind das so kleine Aussagen, die zwischendurch mal fallen.

00:10:50: Da hilft mir jetzt auch nichts mehr!

00:10:52: Was soll das alles noch?

00:10:53: Oder da kann ich mich ja gleich umbringen gerade in Diagnose-Situationen wenn eine Person schwer hoffnungslos wirkt, niedergeschlagen ist oder irgendwie Andeutungen macht dann ist es etwas wo man aufhorchen sollte und nachfragen sollte Und da kann man reagieren Boah, sie sprechen da etwas sehr Gewichtiges an oder Frau so und so.

00:11:17: Und da gilt es dann das ernst zu nehmen.

00:11:20: Auch hier ist es wieder wichtig die Verantwortlichkeiten zu klären.

00:11:24: Gerade den kurzen Patienten in Kontakten sind die eigene Möglichkeiten auch oft begrenzt.

00:11:29: Dann kann man immer der betreffenden Ärztin oder dem Arzt Bescheid sagen.

00:11:34: Wie sieht es aus bei Kolleginnen und Kollegen?

00:11:36: Wir haben jetzt über Patienten gesprochen, aber es kann ja auch sein dass es jemanden im eigenen Team nicht gut geht.

00:11:42: Das sind dann Menschen die man besser kennt wo man vielleicht auch über die Hintergründe ein bisschen mehr weiß.

00:11:47: ist das anders oder wie geht man damit um?

00:11:50: Ja auch so was kann passieren?

00:11:51: dass Personen in Collegium betroffen sind Und das passiert auch nicht selten.

00:11:56: als erstes gilt es die Person zu ermutigen, sich Hilfe zu suchen.

00:12:01: Ein allererster Schritt ist auch wirklich das Ansprechen und drüber sprechen Und man muss keine Lösungen liefern Man muss die Personen nicht heilen können.

00:12:10: Sondern Auch da kann man im Vorhinein klären wie im Team damit umgegangen wird Kann man offen darüber sprechen Herrsch eine vertrauensvolle Atmosphäre.

00:12:20: Gerade in kleinen Teams kann ich mir vorstellen Kann sowas auch ganz gut aufgefangen werden.

00:12:26: Aber ja ganz wichtig ist empathisches drauf eingehen und ein bisschen fürsorglich miteinander zu sein.

00:12:33: Wie geht das dann weiter?

00:12:34: Also erst mal Empathie.

00:12:36: der erste Schritt darauf eingehen, nicht kleinreden oder so was.

00:12:39: aber wie kommt man von da zu?

00:12:42: richtiger Hilfe also etwas was tatsächlich der Person dann auch hilft vielleicht mit den Suizidgedanken anders umzugehen als sie umzusetzen oder am besten wird man sich los.

00:12:52: Aber wie

00:12:53: ja wenn eine Person im Collegium sucht sich deine Tendenzen zeigt ist das natürlich auch wieder eine ganz schön schwierige Situation und da gilt es dann, ganz konkret nachzufragen.

00:13:06: Nach Plänen.

00:13:07: wie konkret sind diese Pläne?

00:13:09: Kann ich dich nach Hause gehen lassen oder am besten die Person gar nicht erst allein nachhause gehen lassen?

00:13:14: im schlimmsten Fall wenn man wirklich ein Bauchgefühl hat Die Person wird sich was antun Wenn ich sie jetzt nach hause gehen lasse einfach direkt mit der Person in einer Ambulanz gehen In einem psychiatrischen Institutsambulanz zum Beispiel.

00:13:29: Man kann einfach vor allem dabei helfen, Hilfe zu organisieren, dass diese Person dann gut betreut wird.

00:13:37: Jetzt ist es ja vielleicht in vielen Teams nicht üblich, über so intime Dinge zu sprechen.

00:13:43: Also auch wie das eigene Seelenleben die eigene psychische Verfasstheit ... Ich glaub, dass fällt vielen Menschen immer noch schwer.

00:13:50: So wie ich sie jetzt verstanden hab, wär's aber total wichtig, dass man eben auch darüber ins Gespräch kommt!

00:13:56: Wie kann man solche Hürden überwinden?

00:13:58: Ja, das ist tatsächlich sehr wichtig und da würde ich auch gerne so einen kleinen Appell an Teams geben.

00:14:04: Sprecht darüber.

00:14:06: Denn solche seelischen Notlagen sind etwas ganz Normales und da gerät man relativ schnell rein.

00:14:12: Und es kann wirklich heilsam sein, über solche Dinge zu sprechen.

00:14:18: Ja wie geht man das an?

00:14:19: Am besten indem er das Schweigen bricht.

00:14:21: Indem man vielleicht auch ausmacht in gewissen Teamsitzungen alle paar Wochen ist das an der Tagesordnung dieses Thema oder wird darüber gesprochen.

00:14:30: Wie geht's uns gerade eigentlich oder was brauchen wir vielleicht auch im Team?

00:14:34: Und auch da kann man sagen, gerade Arbeitsbeziehungen sind ganz wichtige Beziehungen für Menschen.

00:14:41: Das sind Menschen mit denen man sehr viel Zeit verbringt.

00:14:44: Also so ein acht-Stunden-Tag ist lang und dann hat man eben gewisse Kolleginnen, mit denen sich gut versteht, mit dem man vielleicht auch ganz gerne nach der Arbeit noch irgendwo was trinken geht oder sich zusammensetzt oder sich mal einen Wochenenden trifft.

00:15:01: Arbeitsbeziehungen, die vielleicht auch ein bisschen tiefer gehen als so normale Arbeitsbeziege ist es sehr wichtig über solche Themen sprechen zu können.

00:15:10: Das klingt sehr schön!

00:15:13: müsste man es lange vor den Suizidgedanken normalisieren, oder?

00:15:18: Also dieses Wie geht's mir eigentlich heute ... Auch wenn's um viel banalere Themen geht.

00:15:22: Ich hab heute Stress und einen schlechten Tag aus irgendwelchen banalen Gründen oder so was, dass wir normalisierend in unserem Arbeitsumfeld darüber zusprechen,

00:15:32: oder?!

00:15:32: Absolut!

00:15:33: Also, Suizidalität erscheint ja nicht von einem auf anderen Tag.

00:15:36: Das ist ein längerer Prozess.

00:15:38: Es ist etwas, das sich anstaut... Und es ist ... enorm wichtig, über gerade Themen wie Stress oder Burnout Symptome.

00:15:47: Oder ja auch einfach einen schlechten Tag haben vielleicht auch eine schlechte Phase haben ein paar schlechte Wochen haben sprechen zu können und ganz offen darüber sein zu können.

00:15:55: Es wird ja ganz oft der Fokus gelegt im Arbeitsalltag auf funktionieren.

00:16:00: Der tag ist eng getaktet es gibt ganz viele termine ganz viele Aufgaben die relativ schnell erledigt werden müssen.

00:16:09: Dann ist es eben besonders wichtig, auch in Teamsetzungen mal kurz gemeinsam durchzuatmen und zu überlegen ja okay was brauchen wir eigentlich gerade?

00:16:17: Und das sind wirklich so ganz kleine Dinge mit denen man da anfangen kann.

00:16:21: Wie kleine Zwischenchecks, Zwischenfragen Ja wie geht's dir gerade?

00:16:25: Ist ein bisschen viel los heute oder auch in der Kaffeepause kann man anfangen.

00:16:30: Also das sind wirklich kleine Stellschrauben.

00:16:32: Ich sag jetzt nicht, man muss sich den ganzen Tag an den Händen halten aber wirklich einfach ein bisschen empathisch miteinander umgehen.

00:16:40: Das klingt sehr schön und ich glaube da können viele einfach mal überlegen auch ist es bei uns eigentlich so oder könnten wir das noch anders machen?

00:16:49: Das eine Thema ist dieses, wie gehen wir eigentlich miteinander um?

00:16:52: Aber es gibt natürlich auch Möglichkeiten über Fortbildungen, über E-Learnings zum Beispiel.

00:16:57: Sich tiefer damit zu beschäftigen, wenn man jetzt mal den Bogen wieder zur Suizidalität zurückschlagen.

00:17:04: What is denn das genau für ein Projekt und wie hilft das auch Gesundheitsberufen beim Umgang mit dem Thema Suizi?

00:17:10: Also Sui Learning befasst sich mit der Entwicklung, Erprobung e-Learning-Programms in der Suizidprävention fürs Gesundheitswesen.

00:17:21: Im Prinzip geht es darum, eine Onlinefortbildung zu entwickeln die allen Fachkräften wirklich allen Berufsgruppen des Gesundheitswesens, die im Patientinnenkontakt sind einen Zugang zu ermöglichen zu einer Fortbildung wie man mit suizidalen Menschen kommuniziert, wie man Suizidalität abklärt und Grundwissen zu vermitteln.

00:17:43: Also es ist ein e-Learning-Programm.

00:17:45: Es ersetzt natürlich keine Präsenzschulung aber es vermittelt Grundlagenkenntnisse zur Suizidalität.

00:17:53: Das heißt es gibt auch noch Dinge die tiefer reingehen zum Beispiel spezielle Schulungen oder andere Ressourcen wo man sich noch tiefer gehen mit dem Thema beschäftigen kann.

00:18:03: was empfehlen Sie da?

00:18:05: Also in einigen Städten und Regionen gibt es sogenannte Fortbildungsakademien, wo man aber je nach Berufsgruppe nicht so einfach dran kommt.

00:18:14: Man kann sich immer regional informieren auch beim Arbeitgeber oder bei der Arbeitgebare nachfragen.

00:18:20: Gerade jetzt aber zum Beispiel wenn wir im Thema sind für medizintechnische Berufe ist das Fortbildungangebot für spezifische Fortbildung zur Kommunikation mit Suizidgefährdeten doch relativ rar.

00:18:32: Aber auch da gibt es in vielen Bundesländern Netzwerke und Beratungsstellen mit Schwerpunkt Suizidprävention.

00:18:38: Und dort können Teams dann auch Leute anfragen, ob sie dort jemanden für eine Fortbildung einladen können.

00:18:45: Dann kann man auch gezielter auf die Berufssituation

00:18:47: eingehen.

00:18:48: Wie bewerten Sie das?

00:18:49: Ist das hilfreich?

00:18:50: Ist ausreichend?

00:18:52: sind die umfangreich genug?

00:18:53: also ist das was wo man sagt wenn man solche Programme mitgemacht hat ist man tatsächlich besser vorbereitet.

00:19:00: Also im Prinzip gleichen solche Fortbildungsangebote, Defizite in der Ausbildung aus.

00:19:06: Wenn in derausbildung oder im Studium nicht darüber gesprochen wird über Suizidalität und wie man die abklärt dann kann das in Fortbildung und Schulungen nachgeholt werden.

00:19:16: Und wir wissen auch dass Wissen und Fähigkeiten in Kommunikationen und Gesprächskills zentrale evidenzbasierte Faktoren guter Suizideprävention sind.

00:19:28: Viele Unsicherheiten können dadurch beseitigt oder verringert werden, weil wenn man nie gelernt hat wie man solche Gespräche führt geht man mit einem anderen Gefühl ran.

00:19:40: Gleichzeitig haben ja gefragt Wie ist das Angebot?

00:19:44: Ja, das Angebote ist nicht relativ gut beziehungsweise es gibt Schulungen die sind dann aber oft nicht sehr spezifisch für Berufsgruppen.

00:19:53: Oft sind diese Schulungen vor allem in psychiatrischen Kontexten Und wir arbeiten da zum Beispiel jetzt an der Entwicklung eines Elendingsprogramms, von dem wirklich alle Fachkräfte profitieren können.

00:20:05: Das ist ja schön, dass man das so ein bisschen breiter aufstellt!

00:20:09: Sie haben Ausbildungen und Studium schon angesprochen – wie ist es denn erfahrungsgemäß?

00:20:13: kommt das Thema überhaupt vor?

00:20:15: Wenn ja, ist das ausreichend oder muss man tatsächlich später auch noch mal ansetzen, wie wir's für Fortbildung skizziert haben?

00:20:23: Also aus meiner Sicht ist das Thema Suizidprävention in den meisten Ausbildungskurikularen noch nicht stark genug verankert.

00:20:31: Suizideprävenzion sollte eigentlich ein selbstverständlicher Bestandteil aller Gesundheitsausbildungen sein, ist es aber bisher nicht ausreichend und hier braucht es vor allem eine strukturelle Verankerung in den Ausbildungs- und Studiengängen damit Fachkräfte besser vorbereitet sind.

00:20:48: Aber die meisten Ausbildungen und Studiengänge sind ja auch nicht bundesweit organisiert, sondern da sind die Inhalte, die man zur Suizidprävention lernt sehr abhängig vom Ausbildungsstandort bzw.

00:21:02: vom Ausbildungseingemot.

00:21:03: Das Thema e-Learning hatten wir gerade schon.

00:21:06: Ich kann mir vorstellen dass das so ein Thema ist was vielleicht im direkten Kontakt noch besser funktioniert also wenn man wirklich persönlich mit Dozenten spricht oder auch in einer Gruppe ist, wo man sich untereinander austauschen kann als wenn man alleine irgendwo vom Rechner sitzt und sich durch ein e-Learning durcharbeitet.

00:21:23: Sehen Sie da Unterschiede?

00:21:24: Oder ist es jetzt von mir nur so'n Gefühl?

00:21:26: Ja absolut!

00:21:27: Also i-Learneprogramme haben schon große Vorteile.

00:21:31: sie sind flexibel ausunabhängig, kostengünstig meistens und erreichen viele Menschen Gleichzeitig, und das muss man da eben auch ganz klar sagen, ersetzen sie nicht Präsenzvorbildungen.

00:21:44: In Präzenzvorbildung kann man in Rollenspielen üben.

00:21:48: Da können auch supervedierte Gespräche stattfinden.

00:21:51: Ich würde eher insgesamt sagen dass sich E-Learning Formate und Präseenzformate gut ergänzen können.

00:21:58: Also E-learning kann sehr gut Wissen oder Informationen vermitteln vielleicht auch ganz grundlegende Fähigkeiten.

00:22:05: Aber der praktische Umgang, also wie man jetzt in diesem Fall mit sozialen Menschen umgeht.

00:22:10: Wie man genau spricht welche Fragen man konkret stellen kann, wie man empathisch auf Menschen eingeht Das ist etwas das schon auch eher face-to-face Seminare erfordert.

00:22:20: Gibt es denn über das Thema Fort- und Weiterbildung?

00:22:23: Und auch dieses mehr Empathie im Arbeitsalltag zu etablieren, noch andere Dinge die sie praktisch empfehlen können damit dass mit der Suizidprävention im Arbeitalltag also sowohl bei Patientinnen Patienten als auch im Kollegenkreis besser funktionieren.

00:22:38: Also da geht es im Prinzip darum zuzuhören in Team meetings darüber zu sprechen Strukturen zu schaffen wie mit Suizidalität im Arbeitsalltag umgegangen wird, jetzt ob es von Seiten der Patientinnen oder der ... Fachpersonen, es geht auch darum, Verantwortlichkeiten zu klären und dafür zu sorgen dass Suizidalität keine Privatsache ist.

00:23:02: Dass man sich nicht in Geheimnisse verwickeln lässt von PatientInnen Seite aus.

00:23:07: Und auch da ist Supervision ein Thema sich im Team zusammenzusetzen mit einer externen Person und mal drüber zu sprechen.

00:23:14: Wie gehen Sie persönlich denn damit um?

00:23:16: Sie sind nun jetzt Psychologin sie haben sich auf das Thema spezialisiert aber Belastung wird's in ihrem Arbeitsalltag auch geben.

00:23:23: persönlichen erleben noch andere Tipps.

00:23:25: Wie machen Sie es?

00:23:27: Ja, absolut!

00:23:28: Solche Situationen gibt's auch bei mir.

00:23:30: Die gibts bei jeder Person denke ich und da kann ich sagen als allererstes Tiefluft holen einmal einen ganz tiefen Atemzug nehmen und dann überlegen okay was kann ich machen wie kann ich mich verorganisieren?

00:23:45: Ich versuche belastende Arbeitssituationen Nicht mit mir selbst auszumachen, sie nicht in mich reinzufressen.

00:23:51: Sie nicht nach Hause zu nehmen.

00:23:53: Sie direkt im Collegium zu besprechen und ja auch mit meinem Vorgesetzten zu sprechen in dem Fall.

00:24:00: Und ansonsten allgemeiner kann ich noch sagen wenn man nach schwierigen Kontakten mit suizidalen Patienten das Gefühl hat zum Beispiel ungenügend gewesen zu sein.

00:24:11: Da also kann ich zum Beispiel sagen, dass die Gefühle relativ schnell hochkommen Hab ich genug gesagt, hab ich genug getan.

00:24:17: Habe ich richtig reagiert?

00:24:19: Will ich jetzt am liebsten den Beruf

00:24:21: wechseln?".

00:24:22: Das sind wirklich so ganz schwierige Gefühle, die da hochkommen können.

00:24:25: Auch da kann ich sagen ... Nicht mit nach Hause nehmen.

00:24:28: Wechseln Sie nicht den Beruf.

00:24:29: Geben sie nicht auf!

00:24:31: Sprechen Sie darüber.

00:24:32: Denn das sind Gefühlen, die in solchen Kommunikationen aufkommen können, die normal sind und dazu gehören.

00:24:39: Das sind sozusagen berufliche Gefühler.

00:24:42: Und es hat nichts mit eigenem Versagen zu tun.

00:24:44: was man sich selbst immer wieder sagen muss, das sage ich mir auch regelmäßig.

00:24:49: Da sind wir schon eigentlich mitten dabei beim Thema Selbstfürsorge?

00:24:53: Was kann man denn noch Gutes für sich selbst tun um auch Resilienz zu stärken und mit schwierigen Situationen besser umzugehen?

00:25:00: Da geht es im Prinzip um die Frage wie man als arbeitende Person mit sich selbst so fürsorglich umgehen kann dass die Arbeit an der Patientin gelingt ohne dass die eigene Gesundheit schaden nimmt.

00:25:15: Und das ist ein Thema, also selbst für Sorge, dass häufig vernachlässigt wird im Gesundheitssystem.

00:25:21: Man isst die allzeitbereite altruistische helfende Fachkraft und da geht man selbst relativ schnell unter wenn man nicht darauf achtet wie es einem geht.

00:25:32: Da würde ich einmal sagen was hilft sind Supervision, Intervision, Teamgespräche.

00:25:39: wo man bei sich selbst ansetzen kann ist sich selbst zu beobachten, wie gut kümmere ich mich eigentlich aktuell um mich selbst sei es bezogen auf ausreichenden Schlaf, Ernährung?

00:25:51: bewegt man sich außerhalb der Arbeit?

00:25:53: da kann nicht auch nur empfehlen Ausdauersport also irgendwas was einem einen körperlichen Ausgleich gibt.

00:25:59: Und gleichzeitig helfen auch so Sachen wie Yoga und Wanderungen, also alles womit man auf andere Gedanken kommt sich entspannt, sich aber auch körperlich ein bisschen auslastet.

00:26:11: Und genau wichtig ist es auf jeden Fall ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, wie die eigene Belastung gerade ist.

00:26:19: Auch in Kontakt mit Patientinnen aber auch mit sich selbst.

00:26:24: und da ist es dann ganz wichtig die eigenen Grenzen zu kennen und diese auch zu respektieren und dann auch klare Linien zu ziehen wenn's zu weit geht oder auch im Kontakt mit Patienten zu sagen okay das wird mir grade so viel Vor allem wenn ich eigentlich gar nicht für dieses Gespräch zuständig bin.

00:26:42: in Anführungszeichen, da kann man sich dann auch darauf berufen und sagen Ich hole jetzt die Personen, die dafür verantwortlich ist.

00:26:49: Wenn wir jetzt so langsam zum Ende kommen gibt es noch irgendwas was sie uns ein Hörerinnen und Hörern vielleicht gerade jüngeren Menschen Die jetzt im Gesundheitssystem anfangen zu arbeiten mit auf den Weg geben möchten?

00:27:01: Zu diesem wichtigen Thema selbst Für Sorge in Verbindung auch mit Suizidprävention

00:27:06: Lasst euch nicht entmutigen bleibt dran.

00:27:09: Das Gesundheitssystem lebt von empathischen Menschen und auch von schwierigen Themen, ja es kann oft emotional belastend sein, es entstehen emotionalbelastende Situationen aber auch die sind intim bewältigbar und man muss nicht alles alleine bewältigen.

00:27:27: Aber ich würde erst mal sagen geht die Herausforderung an vermeidet sie nicht probiert es denn meistens ist das doch sehr lohnenswert.

00:27:38: Vielen lieben Dank Frau Daus, dass wir mit Ihnen über dieses wichtige und ernste Thema sprechen konnten.

00:27:44: Und damit sind wir auch schon wieder am Ende dieser Folge angekommen!

00:27:48: Wenn Sie in Zukunft keine weiteren Folgen mehr verpassen möchten dann abonnieren sie uns doch am besten in einem Podcast-Portal Ihrer Wahl – und wenn Sie Fragen oder Anmerkungen haben, dann schreiben Sie uns doch einfach.

00:27:59: die Adresse ist podcastatmtdialog.de.

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