Folge 20: "Klare Kante" gegen sexualisierte Belästigung

Shownotes

Das Thema hat im Mai dieses Jahres Schlagzeilen gemacht: Einige Studentinnen haben auf dem Deutschen Ärztetag in Hannover über das Thema "sexuelle Belästigung und Machtmissbrauch" gesprochen und dabei auch über ihre eigenen Erlebnisse auf der Veranstaltung berichtet.

Im Gesundheitswesen kommt sexualisierte Belästigung nach wie vor häufig vor: Betroffen sind Mitarbeitende aller Berufsgruppen, darunter natürlich auch MT.

Was können Kliniken als Arbeitgeber tun, um ihre Mitarbeitenden besser vor entsprechenden Übergriffen zu schützen und Betroffene zu unterstützen? Am Universitätsklinikum Tübingen und den drei anderen Unikliniken in Baden-Württemberg gibt es schon seit Jahren eine erhöhte Aufmerksamkeit für das Problem. Unter dem Namen "Klare Kante gegen sexualisierte Belästigung" wurde im Januar 2025 eine Kampagne gestartet, die dafür sensibilisieren soll. Wie "Klare Kante" im Arbeitsalltag umgesetzt wird und wie ein klares Konzept gegen sexualisierte Belästigung und Machtmissbrauch aussieht, darüber sprechen in dieser Folge Dr. Daniela Harsch (Kaufmännische Direktorin) und Gabriela Liese (Beauftragte für Chancengleichheit) vom Universitätsklinikum Tübingen. Sie geben auch konkrete Tipps, was Betroffene im Ernstfall tun können.

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00:00:04: MTM Dialog, Stimmen aus der Praxis.

00:00:07: Der Podcast für medizinische Technologinnen und Technologen.

00:00:13: Herzlich willkommen zur nächsten Folge von MTM-Dialog Stimmen Aus der Praxis!

00:00:18: Ich bin Stefanie Hanke, Onlineredakteurin beim Deutschen Ärzteverlag und heute sprechen wir über ein Thema das vor ein paar Monaten Schlagzeilen gemacht hat.

00:00:27: Im Mai haben einige Studentinnen auf dem Deutschen Ärztetag in Hannover über das Thema sexuelle Belästigung und Machtmissbrauch gesprochen – und dabei auch über ihre eigenen Erlebnisse auf der Veranstaltung selbst berichtet.

00:00:41: Im Gesundheitswesen kommt sexualisierte Belächtigungen leider immer noch häufig vor, Betroffen sind Mitarbeitende aller Berufsgruppen darunter natürlich auch NT.

00:00:52: Was können Kliniken als Arbeitgeber tun, um ihre Mitarbeitenden besser vor entsprechenden Übergriffen zu schützen und Betroffene zu unterstützen?

00:01:01: Am Universitätsklinikum Tübingen und den drei anderen Unikliniken in Baden-Württemberg gibt es schon seit Jahren eine erhöhte Aufmerksamkeit für das Problem.

00:01:10: Unter dem Namen Klare Kante gegen sexualisierte Belästigungen wurde im Januar twenty-fünfundzwanzig eine Kampagne gestartet die dafür sensibilisieren soll Wie klare Kante im Arbeitsalltag umgesetzt wird und wie ein klares Konzept gegen sexualisierte Belästigung- und Machtmissbrauch aussieht, darüber sprechen in dieser Folge Dr.

00:01:32: Daniela Harsch die kaufmännische Direktorin – und Gabriela Liese die Beauftragte für Chancengleichheit vom Universitätsklinikum Tübingen.

00:01:41: Sie geben auch ganz konkrete Tipps was Betroffene im Ernstfall tun können!

00:01:50: Ja, hallo.

00:01:50: Guten Morgen Frau Dr.

00:01:51: Harsch!

00:01:52: Hallo Frau Liese.

00:01:53: Wir sprechen

00:01:54: heute über das Thema

00:01:55: sexualisierte Belästigung und Machtnisbrauch im Gesundheitssystem und im Klinikbereich.

00:02:00: da haben Sie ja mit klare Kante eine richtig gute Kampagne gestartet als Uni-Kliniken in Baden-Württemberg Und zwar auch schon ein bisschen länger.

00:02:10: Jetzt ist

00:02:11: das Thema ja

00:02:12: in den letzten Monaten ganz gut diskutiert worden Auch mal in der Ärzteschaft durch den Vorfall beim Deutschen Ärztetag mit den Studentinnen, die da über Erlebnisse berichtet haben.

00:02:24: Die ihnen konkret vor Ort passiert sind.

00:02:26: Wie haben Sie das erlebt?

00:02:27: Wie haben sie diese Diskussion auch wahrgenommen jetzt in den letzten Wochen?

00:02:32: Uns hat vor allem gefreut, dass dieses Thema in die Breite der Öffentlichkeit kommt.

00:02:36: Mir ist aber gleich wichtig zu sagen also ich habe nicht immer beruflich nur im Klinik-Kontext gearbeitet Und dieses Thema Machtmissbrauch, Grenzverletzung auch wirklich in Teilen sexualisierte Gewalt ist etwas was nicht nur den Klinikalltag bestimmt sondern eben ein Thema das auch in der Breite der Gesellschaft immer dort wo wir Machtgefälle sehr enge zusammenarbeit haben.

00:02:58: Auch immer wieder thematisiert werden sollte.

00:03:01: also mir ist es wichtig dass eben nicht nur auf die Medizin zu fokussieren aber zu sagen Es ist wirklich ein großes Anliegen zu sagen, die Medizin, obwohl man immer denkt das sind ja alles menschenzugebahnte Personen, Niederarbeiten.

00:03:14: Ist eben auch anfällig für genau solche Themen wie Grenzverletzung oder auch Gewalt.

00:03:20: Frau Lüse möchten Sie was ergänzen?

00:03:22: Ja wir haben tatsächlich in meinem privaten und dizzigen Kreis diese Frauen, die beim Arztetag gesprochen haben richtig gefeiert, die einfach den Mut hatten dass wirklich mal auch im Kreise derer, die sie praktisch da belästigt haben anzusprechen.

00:03:40: Und es wird ja auch zunehmend thematisiert gerade auch in Social Media wenn man die anderen Fälle liest, Kulin verandt ist wie die Frauen alle heißen, die den Mut haben damit an die Öffentlichkeit zu gehen.

00:03:51: und da polarisierts halt auch ganz gewaltig.

00:03:55: aber ich find's eine Verbesserung zum Guten hin.

00:03:59: Glauben Sie, dass sich dadurch auch langfristig was ändert jetzt in der nächsten Zeit?

00:04:04: Also ich persönlich glaube das die jungen Frauen dann unglaubliches Potenzial haben.

00:04:09: Die lassen sich nicht mehr so viel gefallen wie meine Generation.

00:04:12: Wir sind praktisch ... Ich sag mal mein Vater hätte es patriarchal erfunden haben können aber wir sind anders groß geworden und ich bin glücklich, dass die Jungen Frauen sich das oft nicht mehr bieten lassen.

00:04:25: Ich halte es aber auch trotzdem für ein Dauerteam.

00:04:27: Ich glaube nicht, dass hier morgen oder übermorgen sich alles ändern wird sondern ich habe manchmal auch schon meinen früh um beruflichen Stationen das Gefühl gehabt, es wächst eher nach.

00:04:39: also wir haben in einem Teil der Gesellschaft ein wahnsinnig hohes Bewusstsein dafür und gleichzeitig haben wir einen anderen Teil der gesellschaft Aber auch eine Ablehnung gegenüber all diesen Themen.

00:04:50: Es wird dann als Wognes und man darf gar nichts mehr sagen

00:04:54: usw.,

00:04:55: Frauen verstehen keine Komplimente mehr, ja eher ins Lächerliche gezogen.

00:04:59: Und deswegen glaube ich es ist einfach ne Daueraufgabe die Thematik immer wieder anzusprechen

00:05:05: Und das tun sie ja mit klare Kante.

00:05:08: Da sind wir ja direkt beim Thema gelandet,

00:05:10: Sie haben

00:05:11: mit den anderen Unikliniken in Baden-Württemberg schon im Jahr die Befragung durchgefühlt.

00:05:17: Was ist denn dabei rausgekommen?

00:05:20: Erst mal sind Ergebnisse herausgekommen, einerseits erschreckt, aber dann auch bestätigt haben.

00:05:27: Nämlich dass ein Großteil unserer Beschäftigten also vor allem weibliche, aber eben männliche beschäftigte sexualisierte Grenzverletzung erlebt haben.

00:05:36: Also ich möchte nicht immer alles in gleichem das Thema Missbrauch schieben weil wir müssen ja auch in der Sprache sehr vorsichtig sein.

00:05:44: Wir sprechen ja manchmal von unglückten Komplimenten.

00:05:49: Das sind für mich dann enthalten Grenzverletzungen, es kommt aber immer auf das Setting an, in dem sowas auch gesagt wird wie es der sonstige Umgangston bis hin halt wirklich zu harten Hands on Taten.

00:05:59: wo es sich zu übergriffen kam und ich finde da muss man sehr vorsichtig sein wenn wir sagen dass mehr als zwei Drittel unserer Beschäftigten so was erlebt haben ist Die Spanne dessen, was erlebt wurde sehr breit.

00:06:11: Also somtlöden Spruch bis hin wirklich zu einem Übergriff?

00:06:14: Ja das muss man in Relation setzen.

00:06:16: dann auch zur Teilnahme an der Umfrage.

00:06:18: Das waren über die Unikliniker verteilt zwischen dem Zweiundzwanzig, Dreißig Prozent der Damalien beschäftigten und da haben Frauen im Männer zugleich einen Teil genommen.

00:06:30: Was erleben denn

00:06:31: die Betroffenen?

00:06:32: Haben sie damals Beispiele?

00:06:34: Mir geht's darum auch zu sein, dass es nicht nur was bei uns zwischen den Beschäftigten passiert.

00:06:39: Sondern das ist natürlich auch etwas, was Patienten-Beschäftigtenverhältnis passieren.

00:06:44: Das sind ja solche Sprüche wie A von der lasse ich mich jetzt gerne ausziehen oder so übergriffige ... Ja, auch Sätze die dann zu einem Unwohlsein bei unseren Beschäftigten führen bis hin zur Beurteilung des Aussehens, zu sexualisierten ... Aber natürlich auch ein bisschen zu übergriffen, die wir hoffentlich dann auch personalrechtlich verfolgen können.

00:07:08: So wie den Kenntnis haben.

00:07:10: Also es handelt sich tatsächlich beim Großteil... also ich komme doch mal auf diese Umfrage zurück.

00:07:15: Beim Großteil einfach um werbare Belästigungen so wie Frau Dr.

00:07:19: Hashtes schon gesagt hat.

00:07:21: Meist durch männliche Kollegen beim Pflegepersonal sind's allerdings mehr als die Hälfte durch Patienten und Patientinnen?

00:07:29: wie schon geschildert wurde.

00:07:31: Ich glaube, da muss man auch den Begriff Belästigung ganz kurz mal definieren.

00:07:36: was ist Belächtigungen eigentlich?

00:07:38: und das ist eine unerwünschte Verhaltensweise die die Würde der betreffenden Person verletzt ja?

00:07:45: Das gebe ich meinen Klientinnen und auch im Unterricht immer gerne mit damit die Leute es besser einordnen können Und wo die Wurde eines Menschen verletz wird, entscheidet Schluss endlich Dieser Mensch selber, und deswegen ist das einfach auch schlecht festzumachen.

00:08:02: Aber wie gesagt vorwiegend siebzig Prozent Werbaal unter Rest sind dann auch Handgreiflichkeiten.

00:08:08: Das heißt Frau Liese Sie erleben das auch im Arbeitsalltag?

00:08:12: Dass Betroffene zu ihnen kommen und sagen mir Ist da was passiert Wie können Sie denen helfen?

00:08:18: Als allererstes lass ich es mal erzählen Ja so von der Leber weg und je früher die Betroffenen einfach kommen Umso besser ist es, weil unser Körper und unser Hirn versuchen uns einfach zu schützen.

00:08:31: Und die Erinnerungen anzupassen... ...und je frischer das Erlebnis ist, desto besser ist das natürlich dann aufzudröseln.

00:08:40: Wir schauen dann auch mal wie wir das einordnen können ob sich's um eine Belästigung handelt.

00:08:46: Spoiler meist ist es tatsächlich einer.

00:08:49: Dann schauen wir, wie wir da weiter vorgehen.

00:08:53: Für uns ist wichtig auch, dass wir Kenntnis von diesen Sachen haben.

00:08:56: Dass die Betroffenen sich trauen ihre Vorgesetzten zu informieren und es dort nicht niedergemacht wird mit sei nicht so empfindlich sondern das es ernst genommen wird die Beschäftigten in ihrem Empfinden, dass hier eine Grenze verletzt wurde ernstgenommen werden.

00:09:10: Und das bedeutet dann zum Beispiel im Verhältnis zu einem Patienten, dass diese Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei dem Patient nicht mehr eingesetzt wird bis hinzu, wenn es möglich ist Abbruch des Behandlungsverhältnisses, wenn wir keinen Versorgungsauftrag haben.

00:09:23: Das klar ist, hier gibt es Grenzen, die dürfen nicht überschritten werden.

00:09:27: Das ist ja aber auch im sich mal rassistischen Bereich, wenn über Kopftuchmädchen und so weiter gesprochen wird, dann werden sie halt nicht behandelt.

00:09:36: Das können wir in jedem Fall machen, aber das ist die extremste Variante, die wir auch schon wählt

00:09:41: haben.".

00:09:43: und natürlich personalrechtliche Konsequenzen, wenn es eben innerhalb des Beschäftigtenkreises passiert.

00:09:49: Und da ist das aber auch immer so in Abstufungen.

00:09:53: was ist greifbar?

00:09:54: Was war jetzt wirklich ein Übergriff?

00:09:56: Was ist eine Grenzverletzung?

00:09:57: Arbeiten wir mit Ermahnung oder Abmahnung?

00:09:59: Oder natürlich auch im Zweifel mit einer Kündigung dann eines Arbeitsverhältnisses?

00:10:05: im wiederholten Falle oder wenn sich's um solche Tatsachen handelt die wir dann auch sagen... Es ist nicht mit unserer Haltung als Arbeitgeber vereinbar.

00:10:14: Was geben Sie Frauen mitteils Botschaft, wenn sie sexualisierte Belästigung erleben oder auch einfach nur erleben könnten?

00:10:22: Was ist Ihr Rat an die Frauen?

00:10:24: Für mich ist ganz wichtig zu sagen haltet zusammen und fragt nach, wenn du das Gefühl habt ... jemand fühlt sich unwohl.

00:10:34: Konfrontiert auch mal zu sagen, wäre das eigentlich in Ordnung?

00:10:38: Wenn das jemand zu ihrer Tochter sagt also einfach zu konfrontieren und deutlich zu machen hier geht's um Grenzen und hier geht es vor allem um ein professionelles Setting.

00:10:50: Das ist nicht die Kneipe, dass es nicht im Freundeskreis der seit Jahrzehnten besteht, indem er irgendwie manch flapsige Sprache gebühnt ist.

00:11:00: und gestimmt euch auch zu, dass Grenzen unterschiedlich sind.

00:11:04: Wären Sie sich!

00:11:07: Halte zusammen, holt Hilfe... Es muss nicht euch selber betreffen wenn ihr vermutet das hier jemand belästigt wird.

00:11:16: Geht hin und fragt ist es in Ordnung für dich?

00:11:20: Wenn's nicht in Ordnungen ist stellt euch vor die Betroffenen Und wie Frau Hasch sagt halte zusammen.

00:11:26: Holt euch Hilfe.

00:11:27: wir sind ja da.

00:11:29: Wenn Sie sich betroffen fühlen, kommen sie und bekommen bei uns die Unterstützung, die Sie benötigen.

00:11:36: Wie reagier ich denn

00:11:36: im Arbeitseiltag

00:11:38: wenn ein Patient

00:11:40: mich

00:11:41: unangemessen behandelt?

00:11:42: Und ich mich da belästigt fühle?

00:11:44: Wenn möglich verlassen Sie einfach sofort diese Situation.

00:11:50: Also nicht dem Patient jetzt fallen lassen, wenn Sie gerade beim Transfer sind oder irgendwas.

00:11:55: Aber verlassen sie ... Die Situation.

00:11:59: wenden Sie sich bitte an Ihre Schichtleitung, an Ihre diensthande Führungskraft.

00:12:06: Die wird dann Schritte unternehmen.

00:12:10: Das ist zum einen das Personal auszuwechseln, zum anderen wenn es jetzt bei uns auch in der Station wäre den Stationsarzt oder den diensternden Oberarzt zu benachrichtigen.

00:12:19: Der wird ein Gespräch mit dem Patient oder der Patientin führen und dann muss man entscheiden, wie es weitergeht.

00:12:29: Lassen Sie sich nicht weiter belästigen und schützen Sie sich!

00:12:33: Da sind wir schon ganz weit vorgedrungen.

00:12:36: jetzt zum Thema Wie gehen sie damit um?

00:12:38: Was bedeutet klare Kante tatsächlich zu sagen Wir sind da kompromisslos.

00:12:44: Ist das schon mal vorgekommen dass tatsächlich jemand gekündigt wurde deswegen Oder auch dass es rechtliche Konsequenzen hatte für jemand der übergriffig wurde?

00:12:52: Ja, natürlich.

00:12:53: Also ... Natürlich kam es vor, es wird auch weiterhin vorkommen.

00:12:58: Aber es ist natürlich arbeitsrechtlich gar nicht so einfach.

00:13:00: Es sind Eins-zu-Eins-Situationen, dass das die Frage gibt, es Zeugen, Klaubhaftigkeit?

00:13:07: Wir unterliegen dann dem deutschen Recht und den deutschen Arbeitsrecht

00:13:11: usw.,

00:13:12: also es ist für uns nicht immer ganz einfach als Arbeitgeber hier so konsequent zu handeln wie wir uns das vorstellen würden.

00:13:19: Oft geht's dann ... Auch darum zu sagen, trennt man dann Arbeitsbereiche auf.

00:13:24: Schaut mir das jemand woanders eingesetzt wird um diese Situationen aufzulösen.

00:13:29: Klarik handelt bedeutet für uns in erster Linie mal eine Haltung und zu sagen Das gibt es bei uns nicht!

00:13:34: Das darfst wir uns nicht gegen.

00:13:36: Wir sprechen das auch an.

00:13:39: Ich kann mir schon vorstellen wenn Beschäftigte das jetzt hören sollten, was die hier sagen.

00:13:43: Dass sie sich dann auch manchmal nicht ernst genommen fühlen, weil entweder haben wir dann oft gar kein Kenntnis, bis etwas bei uns landet.

00:13:49: Das sind so viele vorgesetzten Strukturen dazwischen und da brauchen Sie nur einen zwischendrin haben der sagt Mädle stell dich nicht zu ahnen, das hat doch schon immer gegeben und da geht es nicht weiter.

00:13:58: und mir gehen's wirklich darum eine Haltung zu entwickeln im gesamten Haus und auch so ein Bystandereffekt zu erzielen, zu sagen Wir wollen dass unsere Belegschaft insgesamt wachsam ist, dass das nicht klein gemacht wird wenn jemand belästigt wird oder sich unwohl fühlt, sondern dass es insgesamt ein Verständnis dafür gibt.

00:14:16: Dass wir gegen solche Situationen vorgehen müssen.

00:14:18: und aber wir brauchen halt alle Beschäftigten dazu auch werden Sprüche gebracht werden zu sagen hey komm lass uns einfach so was sagen wir nicht mehr.

00:14:27: Es ist mir noch ganz wichtig einfach auch zu sagen weil sie nach rechtlichen Konsequenzen gefragt haben jede und jeder Betroffene von Belästigung hat das Recht Strafanzeige zustellen.

00:14:40: Ja,

00:14:41: und das muss den Leuten einfach auch klar sein.

00:14:45: Und wenn die dann von der Polizei mit dem Aktenzeichen kommen, entfällt es uns, auch leichter arbeitsrechtliche Entscheidungen zu treffen?

00:14:51: Das ist ja ein guter Hinweis.

00:14:53: auch nochmal, dass man einfach sagen kann, wir sprechen es in der Firma an, das andere ist aber durchaus auch, ich gehe damit zur Polizei!

00:15:01: Es nicht so klein machen zu lassen – das ist ein gutter Hinweis, glaube ich, auch an die Betroffenen.

00:15:05: Ja, aber das ist natürlich auch wieder so ein Thema.

00:15:08: Da bin ich halt selber trotzdem wesentlich hatte früher, bevor ich an die Klinik kam ... Ein öffentliches Amt und ich hab da schon auch konsequent bei Beleidigungen Belästigung angezeigt Und ich habe das alles durch mit Einstellungen, Gegenmangel im öffentlichen Interesse und all diesen Dingen.

00:15:24: Also ich weiß selber auch wie schwierig es ist.

00:15:27: Deswegen geht's mir vor allem drum auch zu sagen Wir, sobald wir Kenntnis haben verfolgen das intern.

00:15:32: Wir konfrontieren und sagen es so nicht um unsere Kultur oder die Kultur, die auch generell in der Medizin vorhanden ist nach und nach zu ändern und wirklich diese Grenzen zu zeigen.

00:15:46: Ich glaube da sind sie an einem ganz wichtigen Punkt.

00:15:48: was man einfach sagt wir tolerieren es nicht mehr.

00:15:50: also wir gucken hin Wir sagen auch wirklich klare Kante, null Toleranz.

00:15:56: Sie haben jetzt mit der Kampagne klare Kannte das auch sichtbar

00:15:59: gemacht

00:16:00: in dem Klinikum und den anderen Kliniken in Baden-Württemberg?

00:16:04: Wie sieht das aus konkret?

00:16:05: Was sieht man denn zu dem Thema jetzt in Ihren Räumlichkeiten?

00:16:09: Naja uns ging es vor allem darum zusammen, wir veröffentlichen nicht einfach die Ergebnisse dieser Befragung.

00:16:14: Weil wir kannten die Ergebnissen dann, na super werden wir die jetzt einfach verö öffentlichen.

00:16:19: Das ist ja.

00:16:21: dann fühlen sich alle, die mitgemacht haben, nicht ernst genommen.

00:16:24: Und deswegen wollten wir die Veröffentlichung der Ergebnisse gleichzeitig mit einer Kampagne verbinden.

00:16:29: Da bin ich auch der Frau Hermle bei uns in der Öffentlichkeitsarbeit wahnsinnig dankbar, die es gleich ausgegriffen haben.

00:16:34: Wir hatten da einen Schaufenster-Puppen im klassischer Klinikkleidung, wo wir Handabdrücke drauf hatten um zu zeigen, hey hier nicht!

00:16:42: Wir haben ziemlich viele Aufkleber verteilt, so kleine Kärtchen aufverteilt mit klare Kante und ... wollten auch verschiedenste Sprüche aufgreifen und zu sagen, das magst du vielleicht in der Kneipe lustig finden.

00:16:55: Im Arbeitsumfeld geht's aber gar nicht.

00:16:57: Selbst in einer Kneipe ist es fragwürdig oder auch so dieses ein Kompliment ist wenns beiden gefällt also dieses oh ich hab dir doch einen Komplament gemacht.

00:17:05: freu dich doch drüber du bist ja so eine Zicke wenn da jetzt nicht irgendwie dankbar dafür bist.

00:17:09: dieses Thema hat mal aufzugreifen.

00:17:12: Ich habe vor Jahren in meinem alten Job als Bürgermeisterin mal eine Rede gehalten.

00:17:17: Da hab ich einfach so alle Sprüche, die ich mir so anhören musste, mal hintereinandergeweiht und hab dann gesagt naja wie wär's jetzt eigentlich umgekehrt?

00:17:26: Also es ist ja wie wenn man ne große Rede hat kommt von der Bühne und man sagt als erstes auch hübsche Krabatte Es ist ja immer eine Frage des Kontexts, also kannst du ja meinen Scheid oder so loben.

00:17:36: Aber halt nicht wenn ich gerade die wichtige Präsentation gehalten habe und das ist dann die erste Rückmeldung darauf.

00:17:43: Also muss ich mal vorstellen es würde aber bei einem Mann machen.

00:17:45: Also Friedrich Merz hält irgendwie einen seiner wichtigsten Reden und danach sagt man, das ist aber pöpscher Anzug!

00:17:50: Und dieses Kontextabhängige man deutlich zu machen.

00:17:54: Das ist mir halt auch ein Angriff.

00:17:56: Ich denke eigentlich dass Frau Haarsch alles besagt hat diese QR-Codes noch auf unseren Aufklebern und Plakaten gab, die dann einfach auch wirklich niederschwellig gleich auf die Ansprechpersonen und alles hingewiesen haben hier am Haus.

00:18:11: So dass es direkt möglich war schnell Kontakt zu schaffen.

00:18:16: Was gab's für Reaktionen da drauf?

00:18:18: Haben Sie Kritik bekommen?

00:18:19: Haben sie Lob bekommen?

00:18:20: Gab's vielleicht mehr Meldungen von Vorfällen

00:18:22: danach?

00:18:23: Also Lob gab's tatsächlich Verhalten... Wie da Mensch und der Schwabe an sich so ist, wo sie erst mal rumgestochert.

00:18:35: Und nach den Kosten gefragt was das jetzt wohl wieder alles kostet ob es jetzt nötig war.

00:18:41: Dann wurde mir ich habe gestern mal ein bisschen rumgekramt und hab mir ein paar Sachen aufgehoben gehabt.

00:18:47: in verschiedenen Bereichen wurden dann tatsächlich auch gleich Boxen aufgestellt als Müllentsorgung für unsere Aufkleber und die Briefe die kamen.

00:18:58: Ich habe den Bereich dann direkt als ein identifiziert, der es offensichtlich dringend nötig hat wenn solche Taten da im Vordergrund stehen.

00:19:07: Aber insgesamt muss ich sagen... Im Verlauf so nach ein paar Wochen war das Echo sehr positiv, nachdem sie es gesetzt hatte und da fing's auch an dass wir hier bei mir im Büro für Chancengleichheit tatsächlich vermehrt Meldungen bekommen haben die wir dann wirklich abarbeiten konnten auch mit Konsequenzen.

00:19:34: Und da ist halt wichtig, genau das dann auch ernst zu nehmen also dass dieser Lerneffekt auch einsetzt sozusagen ich melde etwas und werde darüber informiert welche Konsequenten hat es dann auch?

00:19:45: oder wer kümmert sich darum?

00:19:47: Und so sagen wir haben ganz unterschiedliche Meldestellen bei Frauen diese im Compliance wo es anonym möglich ist oder eben direkt beim Vorgesetzte und Personalrechtlich.

00:19:56: Aber dass wir genau diese Wege auch aufzeigen, wollt ihr euch erst mal ihr beraten lassen oder geht es wirklich darum, Konsequenzen zu haben?

00:20:02: Oder geht's darum ich habe was beobachtet und möchte das folgen hat.

00:20:06: Es ist ja außen also ganz unterschiedliche Motivationen derjenigen die sich bei uns melden.

00:20:11: Zusätzlich haben wir auch Angebote von externen Hilfsstellen definiert wie zum Beispiel Frauenhilfe, Frauen oder Pfundskale diese externen Institution zu denen die Menschen hingehen können.

00:20:25: Die sich nicht direkt bei der Arbeitgeberin jetzt öffnen möchten was man ja eigentlich auch verstehen kann weil es ist nach wie vor Scham behaftet und wir arbeiten hart daran das aus dieser Tabuzone rauszubekommen.

00:20:39: Und diese Meldungen, die erreichen uns dann eben gar nicht.

00:20:42: Weil alle die Verschwiegenheitspflicht haben und deswegen können wir auch keine Zahlen zusammenführen worüber ich sehr glücklich bin dass wir am Klinikum hier in Beratungsnetzwerk für Mitarbeitende haben wo sie praktisch... Ich weiß gar nicht wie viele Stellen sind es um die zwanzig wo man sich bei einer melden kann und auf jeden Fall dann bei der Richtigenberatungsstelle rauskommt.

00:21:03: Wir können dann auch zusammen beraten wenn das sein sollte Und wir haben da auch psychologische Beratungsmöglichkeiten, wo wir die Leute dann auch erst mal hinschicken können.

00:21:14: Das haben wir vorhin ausgespart.

00:21:15: Dieses Thema psychologischen Beratung – auch die Folgen für die Betroffenen?

00:21:20: Was nehmen Sie denn da wahr?

00:21:21: Was hat das für Folgen auch psychologically in Bezug auf mein Verhältnis zu meinem Arbeitgeber und zum Arbeitsplatz, wenn ich so etwas bei der Arbeit

00:21:30: erlebe?".

00:21:31: Also diese Folgen sind... Individuell, tiefgreifend und unglaublich.

00:21:39: Sie haben physische Folgen und psychische ... dass sie dieses Gedankenkreisen haben, das sie dann nicht schlafen können weil sie sich überlegen, oh mein Gott was hab ich getan?

00:21:51: Dass mir das passiert ist.

00:21:53: Boiler Alarm!

00:21:54: Sie haben überhaupt nichts getan.

00:21:55: es ist jemand morgens aufgestanden der sich einfach nicht benehmen konnte Und sie waren im falschen Moment am falschen Ort.

00:22:02: Dann dieser Schlafentzug, Magenschmerzen, Kopfschmerz.

00:22:07: Die ganze Bandbreite aus der Psychosomatik eröffnet sich dann.

00:22:11: und das Schlimme ist sie haben es nicht nur am Arbeitsplatz dass Sie ihn nicht mehr zur Arbeit gehen möchten oder schon Morgenschmerzen kriegen wenn Sie daran denken, dass Sie dem morgen wieder begegnen müssen sondern Sie nehmen das ja auch mit ins Privatleben rein.

00:22:23: je nachdem wie offen Sie sind können Sie zu Hause drüber sprechen.

00:22:27: aber jetzt stellen sich vor Sie Herrn Niemann mit dem Sie darüber sprechen können oder Sie schämen sich dann nehmen sie es mit ins Privatleben.

00:22:34: Das sind tiefgreifende Veränderungen, das hat doch niemand verdient, dass einem so was passiert?

00:22:41: Ich weiß gar nicht wie ich das ausdrücken soll und die Folge ist natürlich als allererstes wird mal die Handbremse gezogen, dann gehe ich lieber nicht zur Arbeit, dann haben Sie eine Krankmeldung!

00:22:52: Wenn da längerfristig nichts passiert, dann kommt es zur Kündigung.

00:22:55: Am schlimmsten ist natürlich wenn auszubildende Kündigen.

00:22:58: die blockieren sich da praktisch ihre Basis damit und wir haben natürlich auch als Arbeitgeberinnen haben sie dann die Ausfälle, die Arbeitsausfälle... ...die Kompensationen und den volkswirtschaftlichen Schaden sage ich einfach mal dazu.

00:23:14: Und dann ist aber nichts gelöst damit!

00:23:17: Ich glaube, man muss da auch unterscheiden.

00:23:18: Ist das so eine dauerhaftes Situation?

00:23:20: Das ist das, was Frau Lise ja gerade geschildert hat.

00:23:22: So hab ich einen zum Beispiel Arztpfleger in Verhältnis wo es zu solchen Aussagen zu kommt und dass ein dauerhaftes Ausgesetztsein ist oder sind's auf einmalige Vorfälle.

00:23:33: wie Patient verhält sich grenzüberschreiten Und ich habe, dass das da halt sehr wichtig ist Dass die Beschäftigten sich gehört fühlen und dass man dann nicht sagt Ja Was stehen halt oder so nachdem ja irgendwelche sexualisierten Sprüche gebracht hat, sondern dass eben das ernst genommen wird.

00:23:49: Jemand zu diesem Patienten geht und sagt hören Sie auf?

00:23:52: So nicht!

00:23:53: Und mal eben der Beschäftigten oder den Beschäftigen dann auch nicht mehr zumutiert sich um diese Patienten zu kümmern.

00:23:59: also ich finde es wichtig ist, dass eine Wirksamkeit des Ausgesprochenen dann auch oder des Empfungenden auch sichtbar wird.

00:24:09: Aber natürlich ist es auch, und da muss man auch ehrlich miteinander sein.

00:24:12: Auch manchmal ein Generationenthematik.

00:24:15: Frau Lise hat das vorher schon gesagt was bei ihr so normal war.

00:24:19: Ich glaube, dass ich aus dem politischen Bereich komme.

00:24:23: Ich komme auch eher aus einem robusten Umfeld.

00:24:26: Obwohl uns natürlich auch früh schon signalisiert wurde, ach komm lass doch mal gut sein.

00:24:30: oder so sind die halt... was auch manchmal dann auch merke, dass schon meine Grenze eine ganz andere ist als die der nachfolgenden Generation.

00:24:39: Und da müssen wir halt auch miteinander daran arbeiten, so was sind denn Grenzen?

00:24:45: Und manchmal ist es halt so, dass eine individuelle Grenze ... Was ist, was arbeitsrechtlich überhaupt gar keine Grenze ist oder wo wir auch gar keine Chance hätten, da etwas zu machen, um eigentlich ihr miteinander an dem Verständnis arbeiten muss.

00:24:59: Welche Sprache wählen wir denn

00:25:01: jetzt?".

00:25:01: Haben Sie dafür mal ein Beispiel?

00:25:03: Das klassische Kompliment halt.

00:25:05: Also so dieses, mir wird dann auch mal irgendwas gesagt, das ist da dann hübscher Rock oder so.

00:25:10: Wo ich denke ja, das sind berufliche Settings gerade eher unangemkrankt aber ist mir dann auch so ein bisschen egal Und für andere ist sowas vielleicht auch schon eine Belästigung, also so Cat-Calling.

00:25:22: Auch diese Sachen, wo ich jetzt selber sage, meine Güte!

00:25:26: So sind sie halt ... Aber das dann von anderen viel stärker als grenzüberschreitend wahrgenommen wird.

00:25:32: und ja, da müssen wir auch ... Wir selbst dürfen nicht unsere eigenen Grenzen dann als Prototyp für die Grenzen anderer Personen sehen.

00:25:40: Ich bin da abgehärteter im Laufe der Jahre aber das heißt ja nicht andere dann ist sowas auch so wegstecken können.

00:25:47: Dass man alles ernst nimmt und dann auch nicht, weil man selber vielleicht ein anderes Empfinden hat wie der landet bei.

00:25:53: jetzt stelle ich mich so an oder nimmst du nicht so ernst?

00:25:55: Weil das ist ja das wo sie eben gesagt haben da müssen wir raus dass wir alle ernst nehmen.

00:25:59: Das meinen Sie, oder?

00:26:01: Genau!

00:26:01: Dann ist aber zum Beispiel arbeitsrechtlich die Herausforderung zu sagen ja das war für dich eine unangenehme Situation Wir sprechen mit den Gegenüber, wir klären das.

00:26:11: Aber es wird arbeitsrechtlich keine Konsequenzen haben weil es einfach nach aktueller Gesetzgebung eben jetzt keinen Übergriff ist oder die Grenzverletzung auch nicht jederzeit eine Abmahnung nach sich zieht.

00:26:24: also ich finde wir müssen hier auch ein Erwartungsmanagement betreiben das eine zu sagen dass es Haltung.

00:26:29: also wir nehmen das ernst wir sprechen auch mit den Personen.

00:26:32: wir sagen so was wollen sie nicht?

00:26:34: aber arbeitsrechtlich hat es keinerlei Konsequenten außer dass wir einmal sagen Bitte so nicht.

00:26:39: Das hat ja was mit der Kultur im Haus zu tun, ne?

00:26:41: Also das ist ja auch dieses Thema klare Kante und Null-Toleranzpolitik, dass man einfach sagt, auch wenn es im Moment nicht arbeitsrechtlich relevant ist, wir möchten so nicht zusammenarbeiten.

00:26:55: Genau!

00:26:55: Das ist es.

00:26:56: Aber da muss man ehrlich sein, wir haben zwölf Tausend Beschäftigte, dass das mehr als manche Kleinstadt Einwohner hat.

00:27:02: Wir sind die Breite der Gesellschaft und wir arbeiten an dieser Haltung.

00:27:06: aber das werden wir nicht in einem halben Jahr machen oder auch nicht durch Schausfenster puppen sondern eher nach und nach und dadurch, dass wir sowas ernst nehmen und dass das dann halt auch mal zu unangenehmen Gesprächen führt bei Personen, die vielleicht gar nicht damit gerechnet hätten,

00:27:23: Und ich habe das Gefühl, wie nehmen Sie das wahr?

00:27:25: Also insgesamt ändert sich da das Klima vielleicht auch wenn wir zu dem Beispiel mit dem ersten Tag wieder zurückkehren.

00:27:32: Dass das jetzt auf einmal so eine Diskussion führt was vielleicht vor ein paar Jahren nicht passiert wäre.

00:27:36: also dass man jetzt einfach sagt Wir nehmen es anders wahr Es ist jetzt nicht mehr die Frauen die sich nicht anstellen sollen sondern die Mehrheit Ist eigentlich jetzt, nimmt es wahr und sieht das ist ein Problem eben auch fürs Gesundheitssystem.

00:27:51: Wie Frau Liese schon gesagt hat im schlimmsten Fall kündigen die oder suchen sich vielleicht eine ganz andere Richtung beruflich?

00:27:57: Stehen dann entsprechend als Mitarbeitende im Gesundheitssystem nicht mehr zur Verfügung?

00:28:02: Und deswegen sollte sich auch aus ganz grundlegenden Überlegungen da was tun?

00:28:07: Wie nehmen Sie das wahr?

00:28:08: Ist das schon im Wandel oder stehen wir dann noch relativ am Anfang?

00:28:14: Also ich finde die Situation gerade im Gesundheitsbereich sehr, sehr schwierig.

00:28:20: Weil wir hier auch am Klinikum und gerade an dem Uniklinikum eine sehr steile hierarchische Struktur haben ja?

00:28:28: Und solange sie dann einfach Menschen haben, die befristete Arbeitsverträge haben wie zum Beispiel Ärzte, Ärztinnen oder Berufsanfangende oder Auszubildende Da ist es ganz schwierig, da trauen Sie sich nicht, sich zu melden.

00:28:47: Und das zu unterstützen ... Es ist einfach unser Job und da wirklich auch zu zeigen, dass es völlig egal aus welcher Stelle der hierarchischen Struktur jemand kommt... Der darf das nicht!

00:29:00: Ja ich habe da zwei Ansatzpunkte.

00:29:02: Einer ist, ich glaube, das Bewusstsein für die.

00:29:05: Bedeutung jeder einzelnen beschäftigten Person hier nimmt zu.

00:29:09: Früher waren Beschäftigte im Gesundheitswesen eine unendlich nachwachsende Ressource, da war es gewusst geht kommt der nächste geht kommen der nächste oder die Nächste.

00:29:19: also wir hatten da einfach nicht diesen Mangel an Beschäftigten.

00:29:22: und inzwischen ist dieses Bewusstsein jemand Geht oh dann ist die Stelle vielleicht unbesetzt.

00:29:27: das wird schwierig.

00:29:29: dieses bewusst sein ist eher Gewachsen.

00:29:31: auch sich mal oben kann ich gar keine Patienten mehr behandeln, ist doof hat Auswirkungen auf mein persönliches Gehalt.

00:29:37: Da ist ein anderes Bewusstsein inzwischen da also das es auch im Eigeninteresse ist nett zu den Beschäftigten zu sein und uns zu halten.

00:29:45: Und andererseits ist es aber so wir sind der öffentliche Dienst und der Kündigungsschutz treibt bei uns schon auch manchmal.

00:29:53: also es führt zur absurden Situation.

00:29:56: Also wirklich jemanden loszubekommen nach Fehlverhalten Das ist extrem schwierig.

00:30:03: Ich hab davor auch im öffentlichen Dienst gearbeitet und dann hab ich mal gesagt, was muss man hier eigentlich machen um einmal außerordentlich gekündigt zu werden?

00:30:11: Da machen sich ja keine Vorstellungen davon, was es braucht.

00:30:14: Also ich kann sagen der verurteilte Missbrauch einer Patientin reicht nicht für eine außerordene Kündigung.

00:30:21: Und das ist einfach in der Situation von Arbeitsgerichten auf wie wir inzwischen halt sagen gut dann verlieren wir das halt.

00:30:27: Aber das braucht Mut und das kostet auch Geld.

00:30:30: Also zu sagen, unsere Haltung ist wir kündigen jetzt hier und wir halten das aus vom Arbeitsgericht vielleicht sogar zu verlieren und diese Person wieder zurückzunehmen.

00:30:40: Wenn es dumm läuft auch noch auf dieselbe Stelle wie vorher?

00:30:43: Und das sind schon für mich Situationen da endet mein Verständnis dann auch für das Recht des Arbeitnehmers.

00:30:51: Mir ist wichtig dass es eben kein reiner Medizin Kontext ist sondern dass es ja eine gesamtgesellschaftliche Fragestellung dass jetzt eben gerade der Fokus prücklicherweise auch auf den Medizin liegt durch die Situation am Ärztetag, aber das ist einfach ein Dauerteam bei uns in der Gesellschaft.

00:31:11: Und dass wir nicht glauben dürfen, dass nur weil sich eine Gesellschaft weiterentwickelt diese Situationen nicht mehr vorkommen sondern es wirkt ein Thema bleibt und es ist wichtig permanent anzusprechen Haltung zu zeigen und auch wirklich sich den Diskussionen auf Erführungsebene zu stellen.

00:31:33: Dem schließe ich mich an und muss einfach tatsächlich aus tiefster innerer Überzeugung noch hinzufügen, dass ich finde das die Gesetzgebung hier auch gefragt ist mit diesen Eingaben der Bundesjustizministerin aus einem nur Nein heißt nein Nur ja heißt, Ja zu machen.

00:31:57: Die Verjährungsfristen für Übergriffe zu verlängern und so mit denen Frauen einfach auch die Möglichkeit geben sich auch später noch praktisch an die Justiz zu wenden Das ist jetzt außerhalb der Arbeitgeberinnen Situationen das weiß ich sehr wohl aber das gehört einfach dazu und hat da noch einflusssicher noch das Verhalten bei uns.

00:32:19: Wie ist denn das wenn wir mal in Richtung Recruiting schauen.

00:32:24: Also Sie haben jetzt diese Kampagne, Sie haben es nach draußen kommuniziert bei uns das klare kannte gegen sexualisierte Belästigung.

00:32:30: Merken sie dass das zum Beispiel Frauen sich jetzt auch deswegen vielleicht

00:32:36: lieber

00:32:36: bei ihnen

00:32:36: bewerben

00:32:37: weil sie merken sie sind hier in so einem Safe Space im Vergleich vielleicht auch zu anderen Häusern wo sie vorher war?

00:32:43: Nee ist glaube ich nicht die Kampagnes danach außen viel zu wenig präsent.

00:32:49: Und also letztlich würden wir es auch nicht wissen, wer hat sich da in jemandem?

00:32:52: Also ob das dazu führt weil wir fragen ist ja nicht ab sondern wir fragen eher ab generell was so die Motivation ist.

00:33:00: aber das glaube ich würde das Thema überhöhen.

00:33:04: Wir haben mit unseren Stellenausschreibungen seit einiger Zeit den festen Satz drin dass das Uniklinikum die Chancengleichheit aktiv fordert und deswegen auch die Bewerbung von Frauen grundsätzlich begrüßt.

00:33:18: Ich weiß aber nicht, ob das jetzt ohne jemand dazu verleitet auf unsere Seite zu schauen und die klare Kante zu finden ... Das glaub ich einfach nicht.

00:33:27: Nee, das glaub ich auch nicht!

00:33:29: Also dass es so ein Thema ist oder wenn dann den Mund zum Mund propagandert?

00:33:33: Aber dazu isst es ja auf alles viel zu neu.

00:33:36: Und sag ich mal im klinischen Alltag mit einer gewissen Fluktuation.

00:33:40: da ist ne Eine Kampagne, die vor ein, zwei Jahren gelaufen ist eben auch schnell wieder in Vergessenheit geraten.

00:33:47: Zumindest eine öffentliche Wahrnehmung, sondern es geht ja mehr darum wie leben wir diese Haltung im Alltag und merken die Beschäftigten der Wirksamkeit wenn sie sichern zu finden?

00:33:57: Auch das könnte sich ja rumsprechen, ne?

00:34:00: Dass einfach sich so das Klima dadurch bei Ihnen verändert hat, das meinte ich eigentlich auch.

00:34:04: Also dass man jetzt einfach sagt ... Bei Ihnen an der Unikliniktübing ist ein Klima wo man dann sagt naja es wird nicht toleriert.

00:34:12: also kann ich mich sicherer fühlen.

00:34:14: Ja, aber wie gesagt, es sind zwölf Tausend Beschäftigte.

00:34:17: Das ist die Frage, wie viel landet überhaupt bei uns?

00:34:19: Wie viel bekommen wir mit?

00:34:21: Wo konnten wir überhaupt selber tätig werden?

00:34:24: Ich glaube, das ist schon ein Unterschied ... Wir sind jetzt in der Konstellation im Amt.

00:34:31: Wir haben da selbst ein wahnsinniges Bewusstsein.

00:34:33: Ich glaub, dass ist schon einen Unterschied zu anderen Häusern.

00:34:38: Wenn natürlich die Leitung eines Klinikums ... selber solche Sprüche bringt und sagt,

00:34:42: ihr Mädchen

00:34:43: nett anstelle oder Kompliment.

00:34:46: Das muss ich mir doch heute noch sagen dürfen.

00:34:49: Also wenn das die Haltung ist, die von dem Vorstand gelebt wird dann brauche ich mich ja nicht wundern was dann im Haus insgesamt passiert.

00:34:55: aber nur weil ich jetzt als Vorstand sage wir dulden das nicht heißt es nicht dass das nicht passiert sondern dann heißt das nur mal gucken wer's mitbekommt und wenn man etwas raus bekommt wie geht man damit um?

00:35:08: Aber so ein Kulturwandel Dürfen uns nichts vormachen, das passiert ja nicht von heute morgens.

00:35:12: Und ich kenne es ja selber!

00:35:14: Wenn ich schon mal in meiner früheren Tätigkeit den Kollegen gesagt habe, Herr, ich fühle mich in der Situation unwohl weil da ist das ein Vorgefallen und dann heißt er kommt, ich hab nur so einen alter Mann.

00:35:24: Ja aber auch ein alter Mann nämlich am Fast ist halt unangenehm.

00:35:27: deswegen ich kennt es ja selbst und dieses Dauch nicht ernst genommen werden.

00:35:32: Mir ist es halt wichtig, dass wenn wir Kenntnis haben wird damit umgehen und ermuntern zu sagen bitte sprecht das an.

00:35:40: Und auch die Verantwortung in den Teams zu sehen.

00:35:43: Zu sagen hey!

00:35:44: Ist es nicht damit getan irgendwie zum zugucken und froh zu sein?

00:35:47: Dass es mich selber nicht trifft sondern die Kolleginnen oder den Kollegen sondern so ein bei Steiner Effekt zu erzielen noch innerhalb der Männer zu sagen hey komm das ist nicht mehr lustig.

00:35:57: Gibt es da irgendwelche Schulungen oder so was, um das zu fördern?

00:36:00: Auch zum Beispiel bei Führungskräften.

00:36:03: Ja, wir haben jetzt ein neues Führungskräfteprogramm.

00:36:05: Wir hatten schon lange einen Führungs- und Verantwortungprogramm, haben das neu aufgelegt, dass alle Personen, die bei uns in Führungen verantworten kommen, so ein Führingskräfteprogramm durchlaufen müssen.

00:36:12: Da geht es auch um die Werte unseres Unternehmens, da geht's darum wie kommunizieren wir?

00:36:17: Und selbstverständlich ist das da auch Thema nicht allein auf den sexualisierten Bereich sondern natürlich auch insgesamt darauf bezogen.

00:36:25: Es geht ja auch darum Rassismus nichts zu dulden.

00:36:28: Also wenn ich dann irgendwelches Geschwärts höre, was ja an den rechten Rand geht.

00:36:32: Da denk' ich ja sorry, da gibt's hier halt nix mehr zu essen, niemand reinigt, niemand kümmert sich hier mehr um irgendwas.

00:36:37: Wer glaubt sich hier irgendwie rassistisch äußern zu müssen?

00:36:41: Da gibt es halt keine Krankenversorgung mehr!

00:36:44: Personen aus so vielen Nationen haben, die hier arbeiten und jeder einzelne.

00:36:48: Egal ob Reinigungskraft, ob Essen oder Logistik, ob die Personen, die die Betten von A nach B bringen.

00:36:55: Die sind alle wichtig, dass unsere Spitzen Medizinerinnen ihre Arbeit machen

00:37:00: können.".

00:37:01: Und das ist jetzt tatsächlich dann so, dass das Führungskräfteprogramm dann praktisch die neuen Führungskräfte und in der Folge auch die bereits vorhandenen betrifft?

00:37:12: Aber was halt wichtig ist, dass man auch die Mitarbeitenden, die bereit zum Haus sind abholt.

00:37:17: Und deswegen gehe ich auch zur Dienstbesprechung wenn es angefordert wird.

00:37:21: Wir hatten im Januar zum einjährigen Jubiläum da klaren kannte eine Veranstaltung in der Frauenklinik Die hieß Schluss damit gegen Diskriminierung, Rassismus und sexualisierte Belästigung am Klinikum.

00:37:35: Da bin ich dann unterwegs mit Gleichstellungsbeauftragten von der Fakultät, wir machen das zusammen weil da ja ein anderes Recht des Landeshochschulrecht und so weiter noch dazu gehört.

00:37:46: Ich gehe in Unterrichte vor allem auch bei unseren internationalen.

00:37:49: viele Personen die ganzen Fortweiterbildung

00:37:54: usw.,

00:37:54: die bekommen alle eine Unterrichtseinheit in sexualisierter Belästigung, Rassismus, Diskriminierung damit sie einfach wissen wie wir am Haus damit umgehen Und vor allem auch wissen, was ist das?

00:38:09: Die Begriffsklärung und an wen kann ich mich wenden.

00:38:13: Weil das ist ja auch etwas, was die Antidiskriminierungsstelle des Bundes fordert unter anderem niederschwellige Ansprechpersonen.

00:38:21: Das versuchen wir damit tatsächlich zu schaffen.

00:38:24: Und es gelingt uns glaube ich auch ganz gut weil sie melden sich dann hier auch.

00:38:28: Das ist ja die Hauptsache dass man merkt, das trägt Früchte und das funktioniert.

00:38:32: Was raten Sie den anderen Häusern, die da vielleicht noch nicht ganz so weit sind?

00:38:36: Wie packt man's an damit man vielleicht dieses Problem nicht ganz los wird.

00:38:40: Das wird vielleicht nicht gelingen aber es doch zumindest deutlich reduzieren kann.

00:38:44: was ich anderen häusern raten würde ist Es ist unsere uraufgaben sicheres umfeld zu schaffen und zwar ein sicheres Umfeld für unsere patientinnen und Patienten Weil da braucht man auch gar nicht so weit gucken.

00:38:56: Wir hätten jetzt erst im Zollernabkreis, aus jeder Nachbarlandkreis ist eine massive Übergriffe in der Notaufnahme und wir alle kennen die Geschichten aus anderen Häusern.

00:39:04: Da muss man gar nicht zu Nils Högel usw.

00:39:06: gehen, wo Patientensicherheit eben nicht gegeben war.

00:39:10: Und wir wollen doch dass Menschen bei uns sicher sind und dazu müssen aber unsere Beschäftigten sicher sein und wir müssen wachsames Auge haben ernst nehmen, wenn wir in Beteiligung bekommen dass dieses sichere Umfeld bei uns nicht gewährleistet ist.

00:39:27: Also mir wäre einfach wichtig das Transparenz geschaffen wird wie Frau Harsch sagte, dass wir einfach null Toleranz gegenüber solchen Vorfällen haben das auch Strukturen geschaffen werden und Meldesysteme eingerichtet werden, damit die Beschäftigten, die Mitarbeitenden, die Menschen einfach wissen an wen sie sich wenden können.

00:39:48: Also niederschwellig bleiben bei der Sache Schulen, Schulen, Schulen und dann eine klare Kante eben über alle Unternehmensstrukturen hinweg.

00:39:58: Vielen lieben Dank, Frau Liese und Frau Dr.

00:40:00: Haarsch für diese Einblicke in so ein wichtiges Thema!

00:40:04: Und damit sind wir am Ende dieser Folge von MT im Dialog Stimmen aus der Praxis angekommen.

00:40:10: Wenn Sie in Zukunft keine weiteren Folgen mehr verpassen möchten, dann abonnieren sie uns am besten in einem Podcast-Portal Ihrer Wahl – und bei Fragen oder Anmerkungen schreiben sie uns.

00:40:21: die Adresse ist podcastatmtdialog.de.

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