Folge 21: Resilienz im Gesundheitswesen

Shownotes

Hoher Zeitdruck, emotionale Belastung, Personalmangel und eine große Verantwortung: Mitarbeitende im Gesundheitswesen stehen im Berufsalltag unter enormem Druck. Umso wichtiger ist die Frage, was sie den Belastungen im Alltag entgegensetzen können, um mental gesund zu bleiben. In dieser Folge sprechen wir mit der Coachin Michaela Rau über Resilienz – also die Fähigkeit, mit Belastungen, Krisen und Stress so umzugehen, dass die eigene psychische Stabilität erhalten bleibt.

Was genau bedeutet Resilienz eigentlich? Warum brauchen gerade Beschäftigte im Gesundheitswesen diese Fähigkeit? Und wie lässt sie sich im Alltag stärken, ohne ohne sich dabei zu überfordern? Im Gespräch geht es um typische Warnsignale von Überlastung, um Selbstfürsorge, Grenzen, Teamkultur und die Verantwortung von Organisationen, gesunde Arbeitsbedingungen zu schaffen.

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00:00:04: Der Podcast für medizinische Technologinnen und Technologen.

00:00:13: Herzlich willkommen zur nächsten Folge von MT im Dialog Stimmen aus der Praxis!

00:00:19: Ich bin Stefanie Hanke, Online-Redakteurin beim Deutschen Ärzteverlag und heute sprechen wir über Resilienz.

00:00:25: Denn die Arbeitsbedingungen im Gesundheitswesen können einen an die Belastungsgrenzen führen – der hohe Zeitdruck, die emotionale Belastung,

00:00:34: Personalmangel

00:00:35: und eine große Verantwortung.

00:00:37: Wer im Gesundheitswesten arbeitet steht oft unter enormem Druck!

00:00:41: Umso wichtiger ist die Frage was den Belastungen im Alltag entgegengesetzt werden kann um mental gesund zu bleiben?

00:00:48: In dieser Folge spreche ich mit der Coaching Michaela Rau über das Thema Resilienz, also die Fähigkeit mit Belastungen, Krisen und Stress so umzugehen dass die eigene psychische Stabilität erhalten bleibt.

00:01:02: Was genau bedeutet Resilience eigentlich?

00:01:04: Und

00:01:05: was bedeutet es nicht?

00:01:06: Warum brauchen gerade Beschäftigte im Gesundheitswesen diese Fähigkeiten?

00:01:11: Wie lässt sie sich im Alltag stärken ohne sich dabei zu überfordern?

00:01:15: Im Gespräch geht es um typische Wahnsignale

00:01:18: von Überlastungen,

00:01:19: um Selbstfürsorge, Grenzen, Teamkultur und auch um die Verantwortung von Organisationen gesunder Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu schaffen.

00:01:34: Ja, hallo Michaela.

00:01:35: Schön,

00:01:35: dass du heute bei uns in der Podcastaufzeichnung dabei bist!

00:01:39: Wir sprechen über ein total wichtiges Thema nämlich Resilienz im Gesundheitswesen.

00:01:44: Das betrifft ja eigentlich alle die im Gesundheits-Wesen arbeiten Ärztinnen und Ärzte andere Berufsgruppen medizinische TechnologInnen und Technologen.

00:01:53: das Arbeiten ist stressig im Gesundheits Wesen und Resilience is was was man da ganz gut gebrauchen kann.

00:02:01: Erst mal zur Definition vielleicht, was meinen wir denn genau wenn wir im Gesundheitswesen über Resilienz reden?

00:02:07: Ja hallo.

00:02:08: Hallo Stefanie ich freue mich sehr dass ich dabei sein darf bei ihrem Podcast und vielen Dank für die Einladung.

00:02:13: erst einmal vorweg ja Resilience ein Wort das da gibt es ganz viele Verständnisse davon.

00:02:20: Vielleicht vorweg Resilient ist wirklich relevant.

00:02:23: Im Gesundheitswesen Ist auch ganz egal ob Ich jetzt in der Notaufnahme arbeite oder im OP oder im Labor Also überall da, wo ich Schichtdienst begegne.

00:02:35: Dann sind ja natürlich Personalmangelzeitdruck, hohe Verantwortung ist ein Thema emotionale Belastung.

00:02:41: Überall da, dass das zusammenkommt, ist Resilienz relevant.

00:02:46: und Resilience um auf deine Frage zu kommen.

00:02:49: Meint die Fähigkeit trotz Belastungen psychisch gesund zu bleiben?

00:02:53: Und sich auch von dieser Belastunge wieder zu erholen.

00:02:56: Vielleicht ist es auch wichtig, mal hinzugucken was das nicht ist.

00:03:00: Weil in diesen Kontexten wird Resilienz auf der Wand und zwar Resilience ist nicht die Abwesenheit von Belastung.

00:03:08: also Belastungen haben wir alle in irgendeinem Umfang in unseren beruflichen Situation.

00:03:14: gemeint ist wirklich der Umgang damit und Resilientes ist auch nicht funktionieren sich hart machen gefühle weg drücken.

00:03:22: jetzt muss ich da durchhalten da muss ich jetzt durch auch nicht Resilienz.

00:03:28: Das vielleicht mal vorweg als Einordnung?

00:03:32: Ja, danke schon mal dafür!

00:03:33: Da sind jetzt ganz viele Aspekte drin auf die wir gleich nochmal im Detail eingehen.

00:03:38: Vielleicht erst einmal zurück zum Start.

00:03:41: Die Mitarbeitenden im Gesundheitswesen, du hast sie schon angesprochen – die Belastungen mit denen die Leute da umgehen müssen, die vielfältiger Natur sind.

00:03:50: Warum brauchen denn gerade Menschen,

00:03:56: Menschen arbeiten mit Menschen im Gesundheitswesen.

00:03:59: Wir arbeiten unter Zeitdruck, wir haben eine hohe Verantwortung.

00:04:02: Ich glaube, Menschen die in Gesundheitswesenerbeiten ist auch jederzeit bewusst das Fehler zu gravierenden Folgen führen können.

00:04:10: Das sind Menschen, die haben Dauerkontakt mit Leid, mit Angst und mit Tod.

00:04:15: Und die eigene Verfassung wirkt auf Patientensicherheit im Zweifel.

00:04:19: Das ist auch ein Bewusstsein, was Menschen haben, die im Gesundheitswesen arbeiten und deswegen hat das natürlich eine wichtige Bedeutung in medizinischen Berufen allgemein.

00:04:30: Ja, wir haben ja eben schon angesprochen, was für Faktoren das sein können?

00:04:34: Die Stress auslösen zum Beispiel so etwas wie einen dauerhafter Kontakt zu Leid und Tod.

00:04:39: Was fällt dir denn

00:04:40: noch ein, was gerade im Arbeitsalltag von medizinischen Technologinnen und Technologen da ein Stressfaktor sein könnte?

00:04:46: Das sind Zusammenspiele von verschiedenen Dingen.

00:04:48: Also zum einen geht es darum zügig die Befundtermine durchzuführen in einer engen Taktung weil davon hängt natürlich dann der nächste Behandlungsschritt ab.

00:04:57: gleichzeitig sind aber DMT ist oft wenig sichtbar haben wenig Kontakt zu den Patienten immer nur punktuell und bekommt natürlich dann auch wenig Feedback, wenig positives Feedback von den Patientinnen und Patienten.

00:05:12: Insgesamt ist es glaube ich eine Berufsgruppe die eher im Hintergrund wirkt, oft weniger sichtbar ist, wenig Wertschätzung bekommt und auch einen geringeren Entscheidungsspielraum hat.

00:05:21: Und das sind auch Faktoren, die in die Belastungssituation hineinwirken neben den strukturellen Dingen, die wir schon hatten wie Unterbesetzung, Dokumentationsaufwand Zeitdruck, Personalmahl usw..

00:05:34: Jetzt

00:05:35: sind ja manche von diesen Faktoren irgendwie einfach Teil des Berufs, also wenn du dich dafür entscheidest im Gesundheitssystem zu arbeiten ist dir wahrscheinlich klar dass du Kontakt zum Menschen hast den das nicht so gut geht.

00:05:48: Wo würdest du denn sagen verläuft die Grenze zwischen dem an Belastung was normal ist und dem Punkt wo es auch irgendwo kritisch wird?

00:05:56: Das ist eine sehr gute Frage weil wir tatsächlich in der Arbeitspsychologie unterscheiden zwischen Belastung und Beanspruchung.

00:06:05: Also die gleiche Belastungen führt bei unterschiedlichen Menschen in unterschiedlichen Kontexten zu unterschiedlicher Beanspruchung.

00:06:14: Die Frage ist also gar nicht so sehr, wie viel Belastungs es gibt sondern was es mit den einzelnen Personen macht?

00:06:21: Wie stark ist die einzelne Person beanspucht und ob sich die individuelle Person davon gut erholen kann.

00:06:29: Die eigene Berandspruchung sollte sich mit Erholungen, mit ausreichender Erholung auch wieder zurückbilden.

00:06:36: Und mit Erhohlung ist gemeint zum einen das ich gedanklich abschalten kann.

00:06:41: Das ist wirklich in der Forschung auch der wichtigste und stärkste Faktor dass ich entspannen kann, dass ich mich in meiner Kompetenz erlebe und dass ich Kontrolle über die Freizeit habe.

00:06:51: also dass mir zum Beispiel nicht Arbeits-WhatsApp-Gruppe am Wochenende ständig irgendwelche Informationen reinflattern und nicht das Gefühl habe, ich muss da drauf reagieren oder ich darf mich jetzt eigentlich gar nicht erholen.

00:07:06: Oder ich darf es jetzt eigentlich keine Freizeit haben.

00:07:09: also wenn die Erholung fehlt dann kann es kritisch werden.

00:07:12: Und diese dauerhafte Aktivierung ohne Erholungen Die führt dann wirklich irgendwann mal tatsächlich zu einer dauerhaft Belastung von Körper und Psyche.

00:07:22: Also die Frage, die ich mir selbst stellen kann ist wirklich schaffig es gedanklich abzuschalten wenn ich frei habe.

00:07:27: Das ist ganz wichtig!

00:07:29: Was sind denn Wahnsignale dafür dass jetzt tatsächlich zu viel geworden ist und in einen gesundheitsgefährdenden Bereich gekommen ist von der Belastung?

00:07:38: Also in der Regel ist es so, dass sich unser Körper früh meldet.

00:07:41: wenn wir diese Beanspruchung nicht durch Erholung auflösen können.

00:07:45: Die Frage ist dann immer ob wir die Signale wahrnehmen oder ob wir sie überhören.

00:07:50: also zum Beispiel Wir haben zwar ausreichend geschlafen aber wir sind trotzdem erschöpft.

00:07:56: Oder ich entwickle vielleicht einen Zynismus eine innere Distanz zu dem was ich tue Zu Kolleginnen und Kollegen, zu Patientinnen und Patienten.

00:08:05: Ein anderer Punkt könnte auch sein Ich merke werde reizbar Ich mach Fehler.

00:08:10: Ich bin angespannt, es gibt zu diesem Begriff der Sonntagsangst, dass ich Sonntag schon im vorauseilen Gehörsamen mir Gedanken mache was am nächsten Tag alles passieren wird oder auch einfach ich habe die Freude an der Arbeit verloren.

00:08:24: das sind definitiv Warnsignale wo man dann genauer hinschauen muss.

00:08:28: Gibt's denn gerade bei Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Gesundheitssystem so typische Denken Muster Verhaltensmuster, die das befördern?

00:08:37: Dass man tatsächlich auf Belastung anders reagiert.

00:08:41: Ja diese Muster gibt es aber sie sind natürlich individuell.

00:08:44: da reagiert jeder anders drauf.

00:08:47: Muster oder typische Muster sind zum Beispiel dass was wir als Perfektionismus verstehen oder das sogenannte Helfer-Syndrom oder ich muss stark sein Ich habe Probleme Nein zu sagen.

00:08:59: Das sind Muster und jeder hat andere Muster.

00:09:03: Es gibt interessante Zahlen von der AUK zum Phänomen des Präsentismus, also zum Phenomen, krank zur Arbeit zu gehen.

00:09:13: Die AUK hat zwanzig-einundzwanzig rund fünfhundert Leitungskräfte in Pflegeeinrichtungen und Kliniken befragt und sechsunddreißig Prozent davon war einem Jahr davor krank im Dienst.

00:09:24: ordentlich viele sogar gegen ärztlichen Rat.

00:09:27: Und sie wurden dann gefragt, was ist der Grund dafür?

00:09:29: und Nummer eins war überhaupt nicht bewusst sein und Verantwortungsgefühl?

00:09:34: Ich habe jetzt keine belegbaren Zahlen für andere Berufsgruppen im Gesundheitswesen aber ich kann mit Blick auf die Strukturen, die ich ganz gut kenne sagen das Berufs loyalität zum Team.

00:09:47: Ich will niemanden hängen lassen die Tendenz, eigene Bedürfnisse zurückzustellen.

00:09:52: Dass das vermutlich schon bei einigen Menschen in der Rolle spielen kann, die im Gesundheitswesen arbeiten und an dieser Stelle würde ich auch ganz gerne mal einen Blick auf die Resilienz von Organisationen lenken.

00:10:04: Eine Klinik funktioniert natürlich zum Teil nur bei Menschen diese Verantwortung übernehmen also wirklich auch dieses Verantwortungsgefühl und Pflichtbewusstsein an den Tag legen.

00:10:14: In der Fachsprache nennen wir das Interessierte Selbstgefährdung und Beschäftigte gefährden tatsächlich ihre Gesundheit, um Ziele zu erreichen.

00:10:23: Umgangssprachlich sagen wir zum Beispiel selbst der Ausbeutung dazu.

00:10:26: Resilienz hat also gerade im Gesundheitswesen eine individuelle Komponente und aber auch eine systemisch strukturelle Komponenten und das spielt zusammen.

00:10:35: Das ist mir auch wichtig, dass normal zu betonen.

00:10:39: Ja danke auf jeden Fall!

00:10:39: Es ist ein spannender Faktor den man nicht so übersehen darf.

00:10:44: jetzt

00:10:44: Ist ja Resilienz oft was, was als Szene zusammen beißen, Weitermachern interpretiert wird.

00:10:51: Ist es das, was gemeint ist?

00:10:52: oder würde zu sagen da liegt ein Missverständnis vor?

00:10:54: Das ist definitiv ein Missverständnis!

00:10:57: Also durchhalten ist keine Resilience.

00:10:59: Resilient wird oft so verstanden dass ich dauerhaft auf hohem Niveau funktionieren soll Aber ich kann auch kein Marathon im Sprintempo laufen.

00:11:10: Also viel wichtiger ist wirklich die Anpassungsfähigkeit, ich schalte einen Gang hoch wenn es nötig ist und danach wieder runter.

00:11:17: Ich merke wenn's zuviel ist und ändere was zum Beispiel ich gebe Aufgaben ab ich setze Prioritäten, ich hole Hilfe, ich passe Anläufe an oder ich sorg.

00:11:26: aktive Erholung das gehört nämlich auf der Zone ist kein Zeichen von Schwäche.

00:11:31: aber während ich rede wir haben alle Bilder im Kopf wie das Gesundheitswesen an vielen Stellen funktioniert.

00:11:39: Auch hier braucht es den Blick auf das System, weil die Anpassungen damit ich die leisten kann – das braucht natürlich Spielraum und wenn Dienstpläne und Besetzung das gar nicht zulassen, bleibt man ja nur durchhalten.

00:11:51: Und dann ist das aber kein persönliches Thema sondern ein strukturelles Thema.

00:11:56: Dann ist es nicht wirklich eine Frage der Resilienz, sondern dann ist es wirklich durchhalten und struktuelle Probleme auffangen.

00:12:03: Gibt es denn irgendetwas, was so etwas begünstigt?

00:12:06: Also ich denke mal an bestimmte innere Haltung.

00:12:09: An bestimmte Persönlichkeitsmerkmale und Fähigkeiten die für mehr Resilienz sorgen.

00:12:14: im stressigen Arbeitsumfeld gibt's sowas?

00:12:16: Ja das gibt also.

00:12:18: wichtig ist auf jeden Fall überhaupt erst einmal ein Gefühl für sich selbst zu bekommen selbst für sich wahrzunehmen.

00:12:23: Was ist eigentlich los bei mir?

00:12:25: der nächste Schritt wäre dann wirklich die Selbstführung Und die Fähigkeit in Kontakt mit anderen zu gehen, also zum Beispiel mit Kolleginnen und Kollegen.

00:12:35: Also selbst Wahrnehmung heißt ich erkenne überhaupt erstmal was sind meine Muster?

00:12:40: Wo sind meine Grenzen?

00:12:41: Wo gehe ich vielleicht häufig über meine eigenen Grenzen?

00:12:45: dann auch... mir bewusst zu machen, was kann ich an dieser Situation ändern und was kann nicht ändern.

00:12:51: Das ist extrem wichtig damit ich überhaupt erkenne wo es mein Bereich in dem ich selbst wirksam etwas tun kann.

00:12:58: Wo brauche ich die Unterstützung anderer?

00:13:01: Und dann genau der nächste Teil in diese Unterstützung auch zu gehen also vieles ins gewohnt Menschen zu helfen Patientinnen und Patienten zu helfen aber nicht Selbsthilfe anzunehmen.

00:13:11: und hier ist es wirklich wichtig in Beziehung zu treten und so sagen, hier ich eh auf meine Kolleginnen zu.

00:13:17: Ich gehe auf den vorbesetzten Zusprecher über die belastende Situationen und gucke ob wir es nicht irgendwie ändern oder anpassen können.

00:13:25: Das ist tatsächlich ein wichtiger Schutzfaktor in der Resilienzforschung.

00:13:29: Kann man das denn lernen?

00:13:31: Oder bringt man das über seine Persönlichkeit mit von Anfang an?

00:13:35: Man kann viel davon lernen.

00:13:38: Man kann vor allen Dingen Haltungen und Fertigkeiten lernen also zum Beispiel das Erkennen von eigenen Stressmustern und Wahnsignalen, die Bewertung von Belastungen.

00:13:49: Also was daran kann ich ändern?

00:13:51: Das gedankliche Abschaltung und Erholung gestalten.

00:13:54: Das kann man auch lernen.

00:13:56: Grenzensätzen, Hilfeanfragen, schwierige Gespräche führen.

00:14:00: Das können wir über Training, über Reflexion also sowohl selbstreflektion als auch im Gespräch mit anderen über Coaching, kollegiale Fallberatung.

00:14:09: Da gibt es viele Möglichkeiten wie ich das üben kann dass ich das einüben kann, sodass ich es wirklich erlerne.

00:14:15: Zur Wahrheit gehört aber auch, dass es dafür ein entsprechendes Umfeld braucht.

00:14:20: Das ist tatsächlich in Studien belegt, wenn ich zwar meine Haltungen und Fertigkeiten diesbezüglich erlernt habe, ist trotzdem eine psychologische Sicherheit gebraucht im beruflichen Kontext, dass sich Überlastung überhaupt ansprechen kann ohne Nachteile zu haben oder dass Führungskräfte ernst nehmen und das wertschätzen, wenn jemand kommt und Grenzen anspricht.

00:14:47: Solche Themen sind natürlich dann auch relevant?

00:14:50: Jetzt sind ja Menschen die im Gesundheitssystem arbeiten ganz oft Leute, die ein hohes Verantwortungsgefühl haben – auch ihren Patientinnen und Patienten gegenüber, auch ihrem Team gegenüber!

00:15:01: Und gleichzeitig sagst du so was wie Erholungsphasen klare Grenzen setzen ist total wichtig.

00:15:06: Steht das in einem Widerspruch zueinander?

00:15:09: Ach super Frage, Stephanie.

00:15:11: Es ist tatsächlich so, dass es wirklich viele Menschen im Gesundheitswesen gibt die denken ich habe so viel Verantwortung.

00:15:17: Ich kann mir keine Pause leisten und das was ich dann immer sage hier wird die Verantwortung gegen die Erholung ausgespielt und das ist oft kein beruhigter Prozess aber es sind Denkfehler.

00:15:28: wenn ich meine Verantwortung ernst nehme dann schließt das mich selbst ein.

00:15:33: also es geht mir gar nicht darum diese Verantwortung abzutun sondern sie im Gegenteil für die eigene Person zu erweitern.

00:15:40: Ich habe auch eine Verantwortung für mich, erschöpfte Menschen machen mehr Fehler sind weniger präsent fallen vielleicht sogar irgendwann ganz aus.

00:15:49: das alles hat ja auch Aushirkungen auf Patientensicherheit.

00:15:53: also Pausen und Grenzen sind keine Gegenspieler der Verantwortung Sondern Sie sind ein Teil davon Und es darf also nicht nur darum gehen zu funktionieren.

00:16:05: Also wenn Erholung nur gerechtfertigt wird, weil sie Patienten und Teams nützt.

00:16:09: Dann bleibe ich in der funktionalen Logik nach dem Motto Ich hol mich aus dann kann ich wieder besser funktionieren.

00:16:15: aber ehrlich mir ist es manchmal lieber die Leute denken so bevor der selbstwert gar nicht vorhanden ist.

00:16:21: Wenn du verstehst was ich meine ich darf mich erholen Weil ich ein mensch bin Und Nicht Nur Eine Funktion und Ich Darf Als Person Grenzen Setzen.

00:16:31: das Ist Die Botschaft die ich da gerne Senden Möchte.

00:16:34: Das geben wir unseren Hörerinnen und Hörern mal ganz konkret mit auf den Weg als etwas, was man sich merken sollte fürs eigene Leben.

00:16:48: So dem Spannungsfeld zwischen Resilienz und Empathie.

00:16:52: Kann man das beides aufrecht erhalten?

00:16:55: oder ist da irgendwo so eine Gefahr, dass man emotional abstumpft?

00:16:58: Wenn du sagst ein Stressfaktor ist der Umgang mit Leid und Tod Und wenn ich mich davon abgrenze um resilient zu bleiben kann nicht dann auch empathisch bleiben?

00:17:06: gleichzeitig

00:17:08: Ja aber es hilft zu unterscheiden Dass mit fühlen etwas anderes ist als mit leiden.

00:17:15: Die Forschung zeigt, dass Mitgefühl weniger belastend ist als reines Mitleiden.

00:17:21: Wer mit leidet nimmt das Leid des anderen wirklich in sich aus?

00:17:24: Trägt es vielleicht auch mit nach Hause und wer mitfühlt bleibt zugewandt und bleibt aber trotzdem bei sich.

00:17:30: Das ist jetzt die reine Theorien, wir wissen das.

00:17:32: Aber ich glaube ein erster Schritt wäre, in konkreten Situationen zum Beispiel Patientinnen und Patienten zu überprüfen fühle ich mit oder leide ich Und mich darüber im Team, wenn es gibt in Fallbesprechungen oder Supervisionen das einzuüben und mich darüber auszutauschen.

00:17:51: Was auch dabei hilft ist Rituale zum Abschalten zu finden nach belastenden Situationen.

00:17:57: Manchmal braucht's einen kurzen Moment für sich zum Innerhalten bevor ich dann in die nächste Aufgabe gehe.

00:18:04: Dann vielleicht auch noch ein wichtiger Punkt.

00:18:06: Abstumpfung ist erst mal ein Schutzmechanismus.

00:18:09: Also ich mach erst mal dicht, weil mir sonst so viel wird.

00:18:13: Ich würde sagen, Abstumpfung ist dann ein Wahnsignal, wenn ich sie versuche, dauerhaft aufrechtzuhalten.

00:18:19: Wenn sie dauerhafter ist, wenn sie bleibt, dann ist das ein Problem.

00:18:24: Wenn Sie irgendwann auch in sowas Vizynismus kippt und sowas ... also wenn man zum Beispiel nicht mehr empathisch mit den Menschen umgehen kann?

00:18:33: Sowas?

00:18:34: Genau!

00:18:36: Wir waren jetzt ganz viel bei der individuellen Resilienz, aber die ganze Zeit auch schon durchscheinen lassen.

00:18:41: Es ist nicht nur ein individuelles Thema sondern auch eins was Teams, was Arbeitgeber und Institutionen mitbeschäftigt.

00:18:47: Lass uns mal den Sprung auf diese Ebene machen!

00:18:51: Team hast du gerade in der letzten Antwort angesprochen.

00:18:54: Was ist denn zum Beispiel in der Teamkultur?

00:18:57: Aber auch in der Führungskultur, in der Arbeitsorganisation?

00:19:00: Was sind Faktoren, die die Resilience der einzelnen stärken?

00:19:04: Ja, das ist eine sehr gute Frage und sie ist mir tatsächlich wichtig.

00:19:07: Weil wir haben festgestellt der einzelne oder die Einzelne kann viel tun aber es braucht auch einen Rahmen und da kommt natürlich genau das ins Spiel was du gerade gemeint hast.

00:19:16: Organisation entscheidet wieviel davon möglich ist.

00:19:19: konkret heißt dass Es braucht zum Beispiel in der Teamkultur in der man über Belastung vielleicht auch Überlastungen und Fehler sprechen kann.

00:19:31: Es braucht auch eine Führung, die Anerkennung zeigt und Selbstgrenzen vorlebt.

00:19:38: Also wir sind jetzt natürlich in einer idealen Welt.

00:19:41: Verlässliche Dienstpläne, eine realistische Besetzung zumindest eine Organisation, die versucht darauf hinzuwirken das sind wichtige Aspekte.

00:19:50: also tatsächlich Wirken Maßnahmen, die an der Organisation ansetzen stärker als nur rein persönlich individuelle Maßnahmen.

00:20:01: Das heißt, da sind wir bei der Verantwortung der Arbeitgeber.

00:20:05: Es ist nicht nur eine individuelle Verantwortung, Resilienz aufzubauen sondern auch die Arbeitgebe sind in der Verantwortung entsprechender Arbeitsbedingungen zu schaffen.

00:20:15: oder worauf kommt es an?

00:20:17: Das ist ein Zusammenspiel, ich würde das gar nicht als Abgrenzung sehen.

00:20:20: Die einzelne Person ist verantwortlich für ihren Umgang mit der Situation.

00:20:24: Sie kann wahrnehmen wo ihre Grenzen sind.

00:20:26: sie kann es benennen und sie kann Hilfe einfordern.

00:20:29: Das hatten wir ja in den ersten Fragen die du mir gestellt hast.

00:20:33: Die Organisation ist verantwürdig für die Bedingungen also die Arbeitsmenge, die Personalbesetzung Dienstpläne Pausen Führung Kultur.

00:20:41: das kann ich ja als einzelner Personen gar nicht ändern oder nicht allein ändern Und da geht es tatsächlich darum, das im Zusammenspiel gut aufzulösen oder das wirklich zusammenzubringen.

00:20:53: Kritisch wird's tatsächlich wenn ein System nur funktioniert weil Menschen permanent über die Grenzen gehen dann ist das kein persönliches Thema mehr und dann trägt die Organisation die Verantwortung, weil sie davon profitiert.

00:21:06: Wenn wir an so einem Punkt ankommen wenn jetzt Menschen das hören, die gerade sagen ich bin permanent überlastet, weil meine Organisation nicht dafür sorgt dass solche Faktoren ausgeräumt werden was tut man denn?

00:21:18: Also es ist ja irgendwann ein Punkt erreicht wo man in Bezug auf die Überlastung in Bezug auf den Stress irgendwo Selbstverteidigungsmodus kommen muss, um sich selbst irgendwie daraus zu holen.

00:21:29: Was würdest du sagen?

00:21:30: das ist ja eine geeignete Maßnahme?

00:21:33: Also in dem Rahmen der mir gegeben es würde ich sagen erst mal tatsächlich die eigenen Warnsignale kennen und ernst nehmen und ehrlich schauen ob ich mich gut erholen kann.

00:21:44: dann dass nicht alleine mit sich selbst ausmachen sondern Austausch im Team suchen das ansprechen Und dann versuchen es mitzugestalten und zu schauen, reagiert die Organisation Bedingungen ansprechen.

00:21:56: Es versuchen gemeinsam zu ändern im kleinen Anfang, im eigenen Teamanfang – das würde ich sagen.

00:22:04: Wann sollte man kündigen?

00:22:06: Das ist eine schwierige Frage!

00:22:07: Das muss man im Endeffekt jeder für sich allein entscheiden.

00:22:10: Das ist gar nicht so leicht Aber ich glaube, wenn ich da tatsächlich in einen Austauschprozess mit anderen gehe.

00:22:17: Entweder mit meiner Familie, mit meinen Freundinnen und Freunden im Team kriege ich ein Gefühl dafür wie viel Mitgestaltungsmöglichkeit oder Veränderungsmöglichkeit?

00:22:27: Oder Anpassungsmöglichkeit die Organisation wirklich hat.

00:22:30: Und wenn ich gleichzeitig merke also wenn der wenig Bewegungen ist so nicht gleichzeitig merken dass sich wirklich am Limit bin dann muss Ich tatsächlich überlegen was ich damit mache.

00:22:40: jetzt Habe ich so das Gefühl, es verändert sich auch einiges im Gesundheitswesen und nicht unbedingt zum Guten?

00:22:46: Also wenn du mal guckst in die letzten Jahre.

00:22:49: Die Corona-Krise hatten wir hat ganz viel Druck auf die Mitarbeitenden im Gesundheitswesten gemacht aber man hat ja jetzt auch öfter so eine Arbeitsverdichtung einen Personalmangel in vielen Bereichen hast du das Gefühl auch der Blick auf Resilienz hat sich verändert in den letzten Jahren.

00:23:04: Ja das hat sich verändert und ich finde tatsächlich dass das eine positive Entwicklung ist.

00:23:10: Wir haben früher die Resilienz oft als feststehende persönliche Eigenschaft verstanden, so nach dem Motto ja manche haben sie halt und manche nicht.

00:23:19: Und heute wissen wir eben dass dieses Zusammenspiel existiert zwischen Personen, Team- und struktureller Ebene.

00:23:26: Gerade in den letzten Jahren mit Pandemie, mit Personalmangel immer mehr Verdichtung wurde es tatsächlich deutlich, dass es nicht reicht den Einzelnen zu stärken oder dem Einzelne irgendwelche Mental Health Trainings angedeihen zu lassen und dann hat er oder sie selbst die Verantwortung was damit passiert sondern das ist wirklich auch um die Bedingungen in den Kliniken geht.

00:23:48: Und ich glaube, das ist ein Blick auf Resilienz der sich erst im letzten paar Jahren entwickelt hat.

00:23:54: Jetzt starten ja gerade viele junge Menschen mit sehr viel Idealismus in medizinische Berufe, weil sie anderen helfen wollen.

00:24:02: Weil Sie einfach selber irgendetwas tun wollen um für andere etwas Gutes zu tun und sehen vielleicht gar nicht so sehr die Gefahren, die sich dahinter verbergen was diese ganzen Belastungen betrifft.

00:24:14: Was rätst du denen?

00:24:16: Also wenn man Sorge hat den Idealismus zu verlieren Am Anfang der Karriere dagegen tun.

00:24:25: Also als erstes würde ich diesen jungen Menschen gerne raten, behaltet euren Idealismus?

00:24:31: Weil das ist ja der Grund warum viele in diesem Beruf gehen und dieser Idealismus wird gebraucht.

00:24:36: Das ist wirklich eine Überzeugung von mir!

00:24:39: Und gleichzeitig möchte ich aber raten gerade wer viel Sinn in der Arbeit sieht geht gerne mal über die eigenen Grenzen aus Verantwortungsgefühle oder aus welchen Gründen auch immer.

00:24:52: Und dann lohnt es sich tatsächlich diesen Idealismus zu schützen.

00:24:57: und da sind wir wieder, was wir schon mehrfach jetzt hatten wie das geht nämlich früh die eigenen Grenzen erkennen Verbündete suchen Hilfe holen als einen normalen Teil der Arbeit ansehen Und wir haben es auch gerade schon gesagt, genau hinschauen bei welchem Arbeitgeber man anfängt.

00:25:14: Also ich darf im Vorstellungsgespräch fragen wie geht ihr mit Überlastung um?

00:25:19: Wie sehen die Dienstpläne aus?

00:25:20: Wie wird mit Fehlern umgegangen?

00:25:22: also Ich kann schon nach kulturellen Aspekten Fragen und mal hören was kommt denn da als Antwort?

00:25:27: und mehr ein Bild machen.

00:25:29: Wir sind fast am Ende Wenn du jetzt nochmal ganz konkret wirst und überlegst, wenn du den Hörerinnen und Hörern drei ganz konkrete Empfehlungen mitgeben möchtest für mehr Resilienz im Arbeitsalltag.

00:25:42: Was kann man denen konkret an die Hand geben?

00:25:44: Vielleicht das was wirklich mal konkret machen, wenn ich so im alltäglichen Wahnsinn bin und mir überlege, was könnten jetzt so Rituale oder Tipps sein, die ich hoffentlich leicht umsetzen kann dann sind es so zum einen so Mikropausen.

00:26:03: Ich kann eine Minute oder zwei Minuten mal einfach bewusst atmen zwischen Aufgaben, oder ich kann mir so ein Ritual bei Dienstschluss auf dem nach Hause Weg gönnen.

00:26:14: was nehme ich mit?

00:26:15: Was lasse ich hier?

00:26:16: Ich kann schauen ob ich ne Vertrauensperson im Team habe mit der ich mich in beide Richtungen austausche oder auch was ist heute wirklich wichtig, wenn das möglich ist?

00:26:26: Also solche Sachen sind tatsächlich hilfreich.

00:26:29: Das führt schon alleine dazu, dass ich ein bisschen bewusster durch den Arbeitsalltag

00:26:33: gehe.".

00:26:35: Vielen lieben Dank Michaela für all diese Infos und Tipps rund um das Thema Resilienz!

00:26:41: Und das war's auch schon wieder mit dieser Folge von MT im Dialog Stimmen aus der Praxis.

00:26:46: Wenn Sie in Zukunft keine weiteren Folgen mehr verpassen möchten dann abonnieren sie uns am besten in einem Podcast-Portal Ihrer Wahl Und bei Fragen oder Anmerkungen schreiben Sie uns.

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